Analyse und Kritik http://ak.blogsport.de Fri, 17 Oct 2014 12:24:31 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Geschichtswissenschaft http://ak.blogsport.de/2014/10/17/geschichtswissenschaft/ http://ak.blogsport.de/2014/10/17/geschichtswissenschaft/#comments Fri, 17 Oct 2014 12:24:31 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/10/17/geschichtswissenschaft/ Die Verwechslung von Begriff und Genese

Das 100-jährige Jubiläum des Ersten Weltkriegs ist das „Mega-Thema der öffentlichen Gedenkkultur“ (Spiegel 1/14). Da lassen sich Historiker nicht lumpen und bereichern das Gedenkjahr um eine Flut von wissenschaftlichen Darstellungen über die sog. „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. „Aus der Geschichte lernen“ soll der Leser dieser Resultate ihres historischen Forschens. – Ein guter Anlass zu prüfen, wie Geschichtswissenschaftler zu ihren Lehren kommen und sich dabei die Logik des historischen Denkens klar zu machen:

Historiker halten bei allen Gegenständen die immer gleiche Bestimmung fest, Produkt der Geschichte zu sein. „Die Geschichtswissenschaft gründet auf der Überzeugung, dass die Gegenwart aus der Vergangenheit hervorgeht,“ heißt es. Das Wesen der Dinge liegt damit in ihrem Bewirktsein durch Anderes, Früheres. Ein Historiker will „die gegenwärtige Welt als historisch gewordene erklären“. Die Kardinalfrage des Historikers lautet: Wie ist es zum Gegenstand meines Interesses gekommen? Eine geschichtliche Erklärung liegt immer in der Entstehung. Ursache ist immer der Ursprung. Geschichte ist für einen Historiker nicht das, was erklärt werden soll, sondern das, womit alles erklärt werden muss. Es geht nicht um die Erklärung geschichtlicher Phänomene, sondern um die geschichtliche Erklärung der Phänomene.

Damit ist eine entscheidende Weiche gestellt: Der Schlüssel zur historischen Erkenntnis eines Gegen­standes liegt programmatisch außerhalb des Gegenstands in dessen ‚Vorgeschichte‘. Um einen Gegenstand zu erklären, wendet sich der Gedanke im Rückwärtsgang von ihm ab und vorausgehenden, oft weit zurückliegenden Geschehnissen zu. Der Gedanke entfernt sich damit von seinem Gegenstand, um sich im weiten Feld seiner Vorgeschichte nach Entstehungsbedingungen umzutun, die seine Entstehung bewirkt haben sollen. Das heißt nicht, dass über den zur Debatte stehenden Gegenstand nichts gesagt worden wäre. Mit dem Erklärungsprinzip ‚Vorgeschichte‘ ist er kategorisch als Wirkung früher datierender Ereignisse identifiziert.Und die zur Erklärung herangezogenen Begebenheiten der Vorgeschichte haben auch schon ihre spezifisch historische Qualität abbekommen: Sie sind Ursache für Späteres. Jedes Phänomen wird von der Warte eines anderen aus rezipiert. Die historischen Phänomene geben sich – unter der Ägide ihres Interpreten – wechselseitig ihren Begriff. Die Identität einer Sache wird damit in dem angesiedelt, was sie nicht ist. Jeden Gegenstand lässt der Historiker in die Verhältnisse zerfallen, deren Ergebnis er sein soll bzw. für die er als Bedingung oder Ursache zitiert werden kann. Nichts gilt für sich, nichts muss folglich hinsichtlich seiner Qualitäten bestimmt werden. Die Begriffslosigkeit ist Programm. „Die Historie lässt die Gegenwart in die Vergangenheit vergehen.“ In der Tat: Historische Erklärungen verlaufen sich in der Vorgeschichte ihres Themas.

Die solchermaßen konstruierten geschichtlichen Zusammenhänge sind notwendig abstrakter Natur: Wer sich von vornherein einen Begriff des zu erklärenden Gegenstand erspart, kann unmöglich seine notwendigen Entstehungsbedingungen darlegen. Deswegen sind trübe Prädikate wie ‚führte zu‘, ‚mündete in‘, ‚brachte hervor‘, ‚hatte Einfluss auf‘, ‚war Voraussetzung für‘, ‚hängt zusammen mit‘, ‚bahnte an‘ und am schönsten: ‚zeitigte‘ die allgegenwärtigen Formeln zur Erzeugung eines Scheins historischer Folgerichtigkeit. Das reflektiert diese Wissenschaft nicht als Manko. Im Gegenteil:

Die Verwechslung von Begriff und Genese ist zwar wissenschaftlich gesehen ein Fehler. Er ist es aber gerade, der der Geschichtswissenschaft eine immense Freiheit der Interpretation eröffnet: ‚Jede Generation muss ihre Geschichte neu schreiben‘, heißt es. Man kann sich darauf verlassen, dass die historische Weisheit immer aktuell ist. – Aktuell sind daher auch die Lehren, die die Historiker aus ihren falschen Erklärungen der sog. „Urkata­strophe des 20. Jahrhunderts“ passend zum Jubiläumsjahr gezogen haben.

Mehr darüber im Vortrag mit Diskussion

Dienstag, 28.10.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H3
Referent: Dr. Theo Wentzke (Redaktion GegenStandpunkt)

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Die friedliche Eroberung der Ukraine durch die EU findet ihr Ende: http://ak.blogsport.de/2014/06/23/die-friedliche-eroberung-der-ukraine-durch-die-eu-findet-ihr-ende/ http://ak.blogsport.de/2014/06/23/die-friedliche-eroberung-der-ukraine-durch-die-eu-findet-ihr-ende/#comments Mon, 23 Jun 2014 14:04:37 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/06/23/die-friedliche-eroberung-der-ukraine-durch-die-eu-findet-ihr-ende/ Der Westen erklärt Feindschaft zu Russland

Putin ist schuld. Diese Moral hängen die deutschen Leitmedien vor und an jede Geschichte aus der Ukraine; dann berichten sie vom eskalierenden Bürgerkrieg zwischen „unserer“ westlichen Regierung und Gegnern ihrer Machtübernahme. Putin ist schuld. Vor allem auch daran, verkünden westliche Medien und Politiker, dass „wir“ Russland ab sofort als „Gegner“ (NATO-General Vershbow) behandeln, weltwirtschaftlich und weltpolitisch „isolieren“ (Obama), mit ansteigenden Sanktionen zunehmend „untragbar“ (Merkel) schädigen. Obama und Merkel versichern, dass sie dazu militärische Mittel nicht nötig haben und insoweit ausschließen. Das darf zumindest das deutsche Fußvolk als Friedensverantwortung missverstehen. Wenn die NATO dann doch rund um Russland aufmarschiert: Schuld ist…

Was hat Russland getan, was der Westen mit dieser erklärten Feindschaft bekämpft? Russland

  • hat die westlich unterstützte Machtergreifung prowestlicher Kräfte in Kiew, die der Westen sofort als legitime Regierung anerkannt und in der Staatenwelt abgesichert hat, nicht anerkannt.
  • hat seinen strategischen Stützpunkt Krim über ein Votum der dortigen Bevölkerung sich angeschlossen und dem westlichen Zugriff entzogen.
  • verurteilt das militärische Vorgehen Kiews in der Ukraine gegen Gegner der neuen Mächtigen und konzentriert Truppen an der Grenze zum ukrainischen Bürgerkrieg.
  • verlangt eine internationale Regelung der umstrittenen Machtverhältnisse der Ukraine unter maßgeblicher Beteiligung Russlands und eine Staatsverfassung mit verbriefter Berücksichtigung insbesondere seines Interesses an Bündnisneutralität der Ukraine.
  • verwirft rückblickend die Osterweiterung von EU und NATO als Einkreisungspolitik gegen Russland…

Das verurteilt der Westen als Verletzung der „Regeln“ und der „Weltordnung“, die nach Ende des Kalten Krieges mit der Sowjetunion zu gelten hätten. Was für eine Ordnung? Offenbar eine, die westliche Machtergreifung wie in Kiew und Machtausweitung von EU und NATO als Recht ein- und in Gegenzug Machtansprüche Russlands ausschließt. Obama „sieht“ Russland schon mal als „bloß eine Regionalmacht“.

Dabei hätten die westlichen Politiker gern die Politik der „Partnerschaft“ mit Russland und seine „Integration in die euroatlantische Gemeinschaft“ (Kerry) fortgesetzt, die für ihre Liebe zum Frieden mit Russland stehe. Nun geben sie sich „genötigt“ zur Fortsetzung ihrer Politik mit anderen, mit Zwangsmitteln. Nur: Wenn die neue offene Feindseligkeit des Westens gegen Russland die Fortsetzung der westlichen (Ein)Ordnungspolitik rund um Russland ist, dann war die wohl auch bisher nach Ziel und Inhalt nicht so friedlich, wie die Einladungen an Russland mitzumachen vorgaben?

Die neue Konfrontation mit Russland setzen die USA in die Tat um; die lauteste Klage, dass Russland die Politik der „Partnerschaft“ kaputt mache, führen Deutschlands Außenpolitiker.
Die USA verlangen als „Gebot der Stunde“

  • eine Umkehr der „Energieabhängigkeit“ Europas von Russland
  • die Umwandlung des Handels mit Russland und dessen Abhängigkeiten von Waren und Kapital aus dem Westen zu Waffen gegen seine „Modernisierung“ im Weltkapitalismus
  • den Ausschluss Russlands aus Institutionen der Weltpolitik und seine „Isolierung“
  • eine Neuaufstellung der NATO und Aufrüstungsanstrengungen ihrer Mitgliedstaaten…

Deutschlands Außenpolitiker beschwören die „Fäden“ zu Russland, die man nicht abreißen lassen dürfe. Dann hat die Führungsmacht Europas am neuen Kurs wohl nicht nur etwas zu gewinnen; legt das aber Russland zur Last.

Manche im deutschen Volk wollen nicht flott mit bei der neuen Feindseligkeit gegen die Russen, und Deutschlands Leitmedien legen sofort eine Umerziehungskampagne auf.

Was ist das für eine neue Weltlage, die da angerichtet wird?

Mittwoch, 02.07.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H5

Referent: Jonas Köper (Redaktion GegenStandpunkt)

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Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen Arbeit und Reichtum http://ak.blogsport.de/2014/05/22/anmerkungen-zum-kapitalistischen-verhaeltnis-zwischen-arbeit-und-reichtum/ http://ak.blogsport.de/2014/05/22/anmerkungen-zum-kapitalistischen-verhaeltnis-zwischen-arbeit-und-reichtum/#comments Thu, 22 May 2014 17:16:27 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/05/22/anmerkungen-zum-kapitalistischen-verhaeltnis-zwischen-arbeit-und-reichtum/ Referentin: Prof. Dr. Margaret Wirth

Alle brauchen Arbeit – viele finden keine. Man kann das als soziales Problem beklagen und sich vorstellen, „Beschäftigungsförderung“ wäre die passende Antwort, mit staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einer Senkung der Lohnnebenkosten sowie mehr Druck auf die Arbeitslosen mit Hartz IV und anderen Sozialstaatsregelungen, mit einer Streichung der Vermögenssteuer und einer Umverteilung des „knappen Guts“ Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung, mit der „Schaffung von neuen Arbeitsplätzen“ durch Teilzeit und Leiharbeit, oder wie auch immer. Über eine gewisse Absurdität muss man sich dabei allerdings schon hinwegsetzen: Wenn es nicht mehr so viel zu tun gibt, das Nötige von weniger Leuten in kürzerer Zeit zu erledigen ist – warum braucht dann überhaupt jeder Arbeit, und auch noch so viele vollgepackte Arbeitsstunden, um leben zu können? Dass weniger Arbeit ersparte Mühe bedeutet: Warum gilt die Gleichung nicht?

Dass so viele Leute Arbeit brauchen und keine Arbeit finden, während andere viel zu viel arbeiten müssen, liegt an einem ökonomischen Problem: Arbeit findet statt, wenn sie rentabel ist; und sie unterbleibt, wenn sie nicht rentabel ist, d.h. wenn sie dem Unternehmen, in dem und für das sie stattfindet, nicht genügend einbringt; nicht genug Ertrag nämlich, um in der Konkurrenz, der „globalen“, zu bestehen. Wenn das aber so ist, dann findet Arbeit auch nur deswegen statt, weil und damit sie einem Unternehmen Gelderträge verschafft: Gearbeitet wird aus keinem anderen ökonomischen Grund und mit keinem anderen Ziel als diesem nie abschließend zu erledigenden Auftrag,deswegen auch je mehr, umso besser. Und aus keinem anderen Grund unterbleibt sie dann eben auch, wenn sie nämlich nicht genügend Geld bringt. Und das ist offenbar gerade mit den Rentabilitätsfortschritten bei der Anwendung von Arbeit immer häufiger der Fall. Die ökonomische Zielsetzung, die in der sogenannten Marktwirtschaft total und exklusiv bestimmend ist, gebietet offenbar gleichermaßen „Vollbeschäftigung“ und „strukturelle Arbeitslosigkeit“. Da kann es gar nicht genug Arbeit geben, weil Arbeit die Unternehmen bereichert; und zugleich sorgen die Unternehmen dafür, dass immer weniger Arbeit dieser Anforderung genügt.

Es mag ja sein, dass sich alle Welt an diese Verrücktheit gewöhnt hat und sie normal findet; auch die Experten und Verwalter dieses Systems finden ja offenbar nichts dabei, wenn sie dazu nur widersprechende Auskünfte parat haben: Es wird zu wenig gearbeitet, wenn mehrere Millionen Arbeitslose in der Nation, einige zehn Millionen in der EU und zahllose Millionen auf dem Globus herumlungern; und es wird zugleich immer noch zu viel gearbeitet, so dass die reine „wirtschaftliche Vernunft“ die Schließung selbst großer nationalen Unternehmen gebietet, wenn die nur mit Milliardensubventionen weiterarbeiten. Tatsächlich scheint eben beides zugleich vorzuliegen, wenn es beim Arbeiten bzw. Arbeitenlassen: um immer mehr Geld geht: Es kann für diesen Zweck nie genug geschafft werden, und zugleich gibt es immer zuviel Arbeit, die vor dieser Zwecksetzung versagt. Es hilft ja nichts, dass es „nun einmal“ so ist – ein wenig widersprüchlich ist es schon, dieses System der rentablen Arbeit und des gesellschaftlichen Reichtums, den sie schafft.

Keine Frage: Staat und Unternehmen können damit prächtig leben – sie organisieren die Arbeit ja so und profitieren von ihrer Rentabilität. Den systemeigenen Widerspruch, dass erstens unbedingt gearbeitet werden muss und deswegen zweitens nur sehr bedingt, machen sie zu einem Problem derer, die als ausübendes Personal unbedingt Arbeit brauchen und ganz oft keine finden. Und dann definieren sie die materiellen Probleme, die die Leute haben, als soziale Problemlage, die sie mit den bedürftigen Leuten haben.

Man sollte deswegen die Rede vom sozialen Problem auch nicht für die Sache nehmen, vom Elend betroffen über die Ungerechtigkeit der Verteilung des Reichtums oder die wachsende Schere zwischen arm und reich klagen und dann nach „Schuldigen“ dafür suchen, dass diesem „Problem“ durch all die eifrig diskutierten, probierten und wieder aufgegebenen „Bündnisse für Arbeit“ und Bemühungen, „Arbeitsplätze zu schaffen“ nie beizukommen ist. Genauso wenig empfiehlt es sich, das Kriterium der Rentabilität als Inbegriff wirtschaftlicher „Vernunft“ und „Sachnotwendigkeit“ zu akzeptieren und mit den Bedenklichkeiten erst anzufangen, wenn die öffentliche Meinung sich entschließt, seine „Schattenseiten“ zur Kenntnis zu nehmen. Die Absurdität des Systems, der Grund seiner Schädlichkeit für die Masse seiner Insassen, liegt nicht darin, dass Arbeit nicht stattfindet, wenn sie nicht rentabel ist, sondern dass sie stattfindet, weil es um Rentabilität geht. Seine soziale Gemeinheit beginnt nicht damit, dass die Leute, die Arbeit brauchen, oft keine finden, sondern besteht schon darin, dass sie Arbeit brauchen; dass sie dann noch nicht einmal sicher sein können, eine zu finden, folgt daraus von ganz allein.

Die Veranstaltung stimmt daher auch nicht ein in den Chor der sozialen Klagen über das ungerechte Los von Beschäftigten und Beschäftigungslosen, über die wachsende Kluft zwischen arm und reich, über Profitgier und mangelnde Unternehmer- und Staatsverantwortung. Von solchen Klagen gibt es längst genug, und sie landen so sicher wie das Amen in der Kirche bei Anträgen und Aufträgen an die Adresse derjenigen, die gemäß den Kriterien der Rentabilität „Beschäftigung“ organisieren bzw. solche Beschäftigung politisch fördern und deren soziale Folgen verwalten – bei Aufträgen, die regelmäßig von der falschen Einsicht in die „Schwierigkeiten“ und „Sachzwänge“ getragen sind, denen Unternehmen und Staat bei ihren Bemühungen um „Arbeitsplätze“ unterliegen.

Gezeigt werden soll statt dessen, dass und wie es an an der herrschenden Produktionsweise, an der gesellschaftlichen Form des Reichtums, am Geld, und an den Bestimmungen der Arbeit, die für die Produktion dieses Reichtums verrichtet wird, also am gegensätzlichen Verhältnis zwischen Arbeit und Reichtum im Kapitalismus liegt, wenn die Resultate des Arbeitens gegen Geld und Arbeiten Lassens für Geld so gegensätzlich und einseitig ausfallen.

Dienstag, 03.06.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H9

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Warum sich bürgerliche und linke Antifaschisten mit der Kritik von Neonazis schwer tun http://ak.blogsport.de/2014/04/29/warum-sich-buergerliche-und-linke-antifaschisten-mit-der-kritik-von-neonazis-schwer-tun/ http://ak.blogsport.de/2014/04/29/warum-sich-buergerliche-und-linke-antifaschisten-mit-der-kritik-von-neonazis-schwer-tun/#comments Tue, 29 Apr 2014 15:12:39 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/04/29/warum-sich-buergerliche-und-linke-antifaschisten-mit-der-kritik-von-neonazis-schwer-tun/ Referent: Prof. Dr. Freerk Huisken

Demokraten aus Politik und Öffentlichkeit können Rechtsextremismus und (Neo-)Faschismus nicht kritisieren. Wie sollten sie auch den Nationalismus deutscher Bürger angreifen, wenn diese patrioti­sche Gesinnung für sie doch eine zentrale Produktivkraft ihrer demokratischen Herrschaft darstellt. Dafür grenzen sie den (Neo-)Faschismus nur aus, kriminalisieren ihn und erörtern erneut das Partei­enverbot. Sie veröffentlichen Steckbriefe von den Funktionären und enttarnen Neonazis an ihrer Kleidung, ihren Codes und ihrer Musik. Als ob Bürger nur wissen müssten, wie neue Faschisten aussehen und sich kleiden, um sich von ihnen abzuwenden. Man findet Neonazis zudem ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – viel zu sehr unter Niveau, als dass es ihre Parolen verdienten, als po­litisches Programm ernst genommen zu werden. Das rächt sich.

Mit Kritik lässt sich so etwas nicht verwechseln. Und die bei deutschen Bürgern verbreitete Auslän­derfeindlichkeit wird dadurch nun wirklich nicht ausgeräumt. Umgekehrt, die wird von hiesigen Ausländerpolitik angeleitet und benutzt: Wenn sie regelmäßig verkündet, dass „das Boot voll“ ist, wenn sie „Kinder statt Inder“ fordert, wenn sie zwischen „Ausländern, die uns nützen, und solchen, die uns ausnützen“, unterscheidet und Moslems des Terrorismus verdächtigt, dann bereitet demo­kratische Politik selbst das Fundament für rechtsextreme Gesinnung.

Mit der immer wieder beschworenen geistigen Auseinandersetzung mit alten und neuen Nazis hat das nichts zu tun; schon gar nichts trägt das zur Klärung der Frage bei, warum deutscher Patriotis­mus zu Morden an Ausländern führt, wie sie der NSU verübt hat.

Auch die linke Antifa tut sich schwer mit der treffenden Kritik am Neo-Faschismus und Rechtsextremismus. Besonders dann, wenn neue Faschisten eine Kritik am Kapitalismus vortragen, fällt vielen Antifa­schisten oft nur ein, dass sich hier „Wölfe“ mit „Schafspelzen“ verkleidet hätten. Das ist schlecht. Und wenn nach der Aufdeckung des NSU Teile der Antifa den neuen Aufschwung des bürgerlichen Antifaschismus der regierenden Demokraten begrüßen, ihn für überfällig erklären, ebenfalls für ein NPD-Verbot plädieren und sich gar als die effektiveren Verfassungsschützer anbieten, weil sie ja nicht auf dem „rechten Auge blind“ wären, dann offenbaren sie sich einmal mehr als die Sauber­männer der Nation, die die Demokratie von „braunen Flecken“ reinwaschen wollen.

Donnerstag, 08.05.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H14

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„Fair Trade“ und „Ethischer Konsum“ http://ak.blogsport.de/2014/02/21/fair-trade-und-ethischer-konsum/ http://ak.blogsport.de/2014/02/21/fair-trade-und-ethischer-konsum/#comments Fri, 21 Feb 2014 11:45:46 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/02/21/fair-trade-und-ethischer-konsum/ Der kapitalistische Weltmarkt als
Herausforderung an die Moral der Konsumenten

Das Herkunftsland steht auf der Verpackung, viele Lebensmittel kommen aus der „3. Welt“ und bekannt ist auch, welche Schweinereien in den Gütern des hier alltäglichen Verbrauchs stecken: in der Schokolade afrikanische Kindersklaven; in Handys und Festplatten total verarmte Bergleute aus Bolivien oder Kongo; in den Klamotten mies bezahlte, überarbeitete, manchmal bei Brandkatastrophen sterbende Näherinnen aus Bangladesh oder Pakistan; in Smart-Phones und -Pads Chinesen, die die Maloche zum Selbstmord treibt; …

Genauso regelmäßig wird mitgeteilt, dass v.a. in Europa oder USA beheimatete Konzerne entweder Urheber oder Nutznießer dieser Produktionsverhältnisse sind: Mit derlei Methoden – fehlende Schutzbestimmungen, nicht endende Arbeitstage und Dumpinglöhne – senken sie ihre Kosten und machen sie ihre Gewinne. So also sieht unsere freie Marktwirtschaft in diesen Ländern aus: Sie geht buchstäblich über Leichen.

*

Was sagt uns das? Dort unten herrscht Ausbeutung! Und verglichen damit hierzulande relativer Wohlstand! Beides stimmt. Dort verdienen die Leute ihr Geld, wenn überhaupt, unter härtesten Arbeitsbedingungen; der Lebensstandard ist weitaus geringer; diese Völker sind gefragt als billiges und billigstes Humankapital: Darin sind sie mitunter rentabler als ihre Kollegen in den Metropolen (was die ihrerseits merken, wenn ganze Fabriken in „Niedriglohnstandorte“ ausgelagert werden). Anders aber als Hungerlöhner, die sich die im Land hergestellten Konsumgüter kaum leisten können, verfügen hiesige Arbeiter mit dem Lohn, den sie für ihre Benutzung erhalten, auch über eine Kaufkraft: In den Shoppingcentern des Nordens versilbern sie, soweit der Geldbeutel reicht, den Profit globaler Multis, der in den Warenbergen aus dem Süden steckt.

Wohlgemerkt, es sind derselbe Kapitalismus und dieselbe Rechnungsweise, die so unterschiedliche Phänomene hervorbringen: Zeigen die elenden Lebensumstände dort also nicht, dass lohnabhängige Menschen überall auf dem Weltmarkt dieselbe Rolle als nützliche Idioten des Kapitalreichtums spielen – und dabei auch noch als konkurrierende Manövriermassen ihrer Staaten gegeneinander aufgestellt werden?

*

Kritiker decken solche Lebensbedingungen in Drittwelt- und Schwellenländern auf und verlangen von lokalen Potentaten wie von verantwortlichen Firmen Besserung; „immerhin“ die schlimmsten Exzesse hätten sie zu unterlassen. Hebel dafür soll – ausgerechnet – das Gewinninteresse der Unternehmen sein, das als Grund der unendlichen Skandale an der Arbeits- und Konsumfront durchaus geläufig ist. Natürlich lässt freiwillig oder wegen moralischer Appelle kein Staat und kein Konzern von seinem ungesunden Treiben: Aber gewissenhafte Verbraucher, so die rettende Idee, könnten sie ja auch zur „Vernunft“ zwingen.

Die Käufer übernehmen Verantwortung an Stelle der wirtschaftlich Verantwortlichen und verbessern die Welt, indem sie die Macht des kleinen Geldes benutzen, um die Manager des großen Geldes zu erziehen: Beim Einkaufen lassen sie den ärgsten Schrott, verseuchtes Essen oder Computer der „schwarzen Schafe“ unter den Herstellern und Händlern links liegen und kaufen nur bei den „Guten“; sie bevorzugen Öko- und Bioprodukte aus „nachhaltiger Landwirtschaft“, unterstützen klein- und mittelständische Unternehmen in der 3. Welt mittels Fair Trade und praktizieren damit sog. ethischen Konsum. Was ist davon zu halten?

*

Über Identität und Unterschied des Kapitalismus in seinen Zentren und in seiner Peripherie; über Macht und Ohnmacht des Konsumenten, über kritische Verantwortung für den Globus und brave Mitmacherei daheim: Da gibt es einiges zu erläutern und zu diskutieren.

Vortrag & Diskussion
Mittwoch, 26.02.2014, 19:00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz

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http://ak.blogsport.de/2014/02/21/fair-trade-und-ethischer-konsum/feed/
Der Pluralismus der Gesellschaftswissenschaften http://ak.blogsport.de/2013/12/05/der-pluralismus-der-gesellschaftswissenschaften/ http://ak.blogsport.de/2013/12/05/der-pluralismus-der-gesellschaftswissenschaften/#comments Thu, 05 Dec 2013 16:24:54 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2013/12/05/der-pluralismus-der-gesellschaftswissenschaften/ Anstandsregeln einer falschen Wissenschaft

Eigentlich liegt es ja auf der Hand: Fächer, in denen verschiedene Meinungen über denselben Gegenstand kursieren, haben es zu gültigem, überzeugenden Wissen nicht gebracht. Früher haben das manche Vertreter der Gesellschaftswissenschaften auch noch so gesehen: Sie haben am Unterschied zur Objektivität und Unumstrittenheit naturwissenschaftlicher Forschungsergebnisse gelitten und wollten ähnlich haltbare Einsichten erst noch erzielen. Inzwischen ist jede Unzufriedenheit über den Stand des Wissens an den philosophischen Fakultäten ausgestorben. Der Zustand des Nicht-Wissens ist endgültig.

Der Auftraggeber der Universität, der Staat, feuert nicht etwa Forscher, die es zu Wissen nicht bringen, sondern schützt mit dem Toleranzgebot den Zustand des beliebigen Meinens, zu dem es seine großen Geister gebracht haben. Die rechtlich geregelte Wissenschaftsfreiheit, die er gewährt, hat in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften den Sinn einer Freiheit des Wissenschaftlers gegenüber dem Wissen. Der Staat sichert seinen Wissenschaftsbeamten das Recht, sich ihre persönliche „Lehrmeinung“ von niemandem – weder von Kollegen noch Studenten, weder von besseren Argumenten noch von moralischer Missbilligung – bestreiten lassen zu müssen. Er setzt die Partikularität und individuelle Eitelkeit seiner bezahlten Denker ins Recht. Die Autorität des Wissens ist ersetzt durch die Autorität derjenigen Personen, die es geschafft haben, eine Lehrbefugnis zu ergattern. Die Autorität des Amtes macht die subjektive Lehrmeinung verbindlich – freilich nur innerhalb Reichweite des Amtes: in Vorlesungen und Prüfungen des jeweiligen Lehrstuhlinhabers. Im anderen Hörsaal gilt die Lehre des anderen Dozenten. Zwischen den vielen Theorien, die dieselbe Sache verschieden erklären, sich also wechselseitig bestreiten, ist Toleranz geboten.
Richtige Einsicht in ihr Funktionieren und ihre Prinzipien kann diese Gesellschaft, die sich so eine Wissenschaft leistet, offenbar nicht brauchen. Das wirft kein gutes Licht auf sie – und kein gutes Licht auf die Wissenschaft, die gerade durch den Verzicht auf Wahrheit ihren Staatsdienst leistet. Kein Wunder, dass „Theorie“ einen so schlechten Ruf genießt: „Theoretisch“ ein Wort, das wissenschaftliche Notwendigkeit ankündigt, bedeutet heute so viel wie „bloß möglich“.

Die Theoretiker dieser Gesellschaft haben ein ganzes System wissenschaftlicher Anstandsregeln ausgebildet, mit denen sie den Gegensatz ihrer Ansichten betätigen, ohne sich zu kritisieren. Vom System dieser Regeln wird der Vortrag handeln.

Vortrag und Diskussion mit Dr. Peter Decker (Redaktion GegenStandpunkt)

Dienstag, 10.12.2013, 19:00 Uhr
Universität Bielefeld, H9

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http://ak.blogsport.de/2013/12/05/der-pluralismus-der-gesellschaftswissenschaften/feed/
Was man bei Marx lernen kann: http://ak.blogsport.de/2013/11/07/was-man-bei-marx-lernen-kann/ http://ak.blogsport.de/2013/11/07/was-man-bei-marx-lernen-kann/#comments Thu, 07 Nov 2013 14:55:14 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2013/11/07/was-man-bei-marx-lernen-kann/ Alles Nötige über
Arbeit und Reichtum im Kapitalismus

Der Kapitalismus, der heute Marktwirtschaft heißt, zeichnet sich durch eine Reihe paradoxer Phänomene aus, die Fragen aufwerfen:

  • Alles, was man zum Leben benötigt oder haben möchte, gibt es reichlich. Man muss es nur kaufen. Kommt damit jeder Mensch an die Mittel, die er zum Leben braucht? Im Gegenteil. Für viele Menschen stellt sich das Kaufen-Müssen als unüberwindliche Hürde für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse dar. Gleichzeitig landen Produkte im Müll, weil sie keinen Käufer gefunden haben. Wofür werden die Dinge dann eigentlich produziert, wenn sie eher vernichtet, als ohne Bezahlung rausgerückt werden?
  • Seit Jahrzehnten wächst die Wirtschaft. Wird deshalb die Armut weniger? Im Gegenteil. Millionen Beschäftigte können vom Lohn, den sie für ihre Arbeit bekommen, nicht leben und müssen mit staatlichen Almosen ihr Leben fristen. Von Menschen ohne Job gar nicht zu reden. Was für eine Sorte Reichtum wächst denn da eigentlich – und bei wem?
  • Auch die Produktivität nimmt kontinuierlich weiter zu. Wird deshalb die Arbeit weniger und bleibt mehr Zeit für den Genuss der Produkte? Im Gegenteil. Für viele bedeutet der technische Fortschritt, dass sie ihren Job verlieren und keinen Lohn mehr bekommen, mit dem sie sich die Sachen kaufen könnten, die in immer kürzerer Zeit produziert werden. Für die, die weiterarbeiten dürfen, wird die Arbeitszeit aber auch nicht kürzer. Wofür ist dann die dauernde Produktivkraftsteigerung gut?
  • Die Natur ist die allgemeine Lebensgrundlage. Wird sie deshalb sorgsam behandelt? Im Gegenteil. Die Zerstörung infolge der kapitalistischen Produktion geht immer weiter voran. Inzwischen ist die Natur nicht nur lokal, sondern global geschädigt – Stichwort Klimawandel. Warum wird die Natur als eine der „Springquellen alles Reichtums“ (Marx) eigentlich so rücksichtslos kaputt gemacht?

Diese Phänomene sind nicht neu, sie begleiten den Kapitalismus schon seit seinen Anfängen. Vor 150 Jahren hat Marx sich deshalb daran gemacht, die Gesetzmäßigkeiten dieser Wirtschaftsweise zu analysieren und aufzuschreiben. Dabei ist er zu der Erkenntnis gelangt, dass im Kapitalismus die unaufhörliche Vermehrung des Geldes der beherrschende Zweck ist, für den gearbeitet wird; die arbeitenden Menschen Kostenfaktoren sind, weshalb an ihrem Lohn, den sie für ihren Lebensunterhalt brauchen, gespart wird; die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der größten Quelle des materiellen Reichtums, ausschließlich stattfindet, um Löhne zu sparen, indem Arbeitskräfte überflüssig gemacht werden – also um den Arbeiter ärmer zu machen.

Seit Marx‘ Zeiten hat sich am Kapitalismus im Wesentlichen nichts geändert. Deshalb verdient es der längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit von heute zu erklären. Das soll anhand von Zitaten aus dem ersten Band von „Das Kapital“ gezeigt werden. Angeboten werden Erklärungen über Zweck und Eigenheiten einer Produktionsweise, die Lebensmittel als Waren produziert, an die man nur herankommt, wenn man genug Geld hat; über den Reichtum in Gestalt des Geldes, und warum der unaufhörlich wachsen muss; über die Arbeit, deren Zweck die Produktion von geldwerten Waren ist und nicht das möglichst gute Leben derer, die sie verrichten; über einen Reichtum, dessen Wachstum die Armut nicht beseitigt, sondern voraussetzt, benutzt und vergrößert. Erklärt werden sollen die Gegensätze, die diese Gesellschaft prägen.

Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo Wentzke (Redaktion GegenStandpunkt)

Dienstag, 19.11.2013, 19:00 Uhr
Universität Bielefeld, H9

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http://ak.blogsport.de/2013/11/07/was-man-bei-marx-lernen-kann/feed/
Das Menschenrecht: http://ak.blogsport.de/2013/10/16/das-menschenrecht/ http://ak.blogsport.de/2013/10/16/das-menschenrecht/#comments Wed, 16 Oct 2013 10:17:01 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2013/10/16/das-menschenrecht/ Rechtfertigung bürgerlicher Herrschaft mit der „Natur“ der Beherrschten

Es heißt, jeder Mensch habe, auch wenn er vielleicht im Einzelfall sonst nicht viel mehr hat, auf jeden Fall ein paar Rechte: Menschenrechte.

Nach allgemeiner Auffassung ist deren wichtigste Eigenschaft, dass sie auch und gerade für den Staat bindend seien, der ja ansonsten die Instanz ist, die bestimmt, welche Rechte und Pflichten wem zukommen. In den Menschenrechten soll also nicht weniger als eine Dienstvorschrift für die Ausübung hoheitlicher Gewalt vorliegen.

Nach ebenso allgemeiner Auffassung ist das eine hervorragende Sache, weil der Mensch sonst schutzlos der Allmacht staatlicher Gewalt ausgeliefert sei. Mit dem Menschenrecht aber seien Staaten bzw. deren Amtsträger bei der Ausübung der ihnen übertragenen Amtsgewalt auf bestimmte Verfahren und Grenzen verpflichtet.

So groß ist die allgemeine Freude über die Selbstverpflichtung moderner demokratischer Staaten auf die Einhaltung dieser menschlichen Naturrechte, dass sie sich durch die paar Fragwürdigkeiten nicht trüben lässt, die in dieser humanistischen Idee natürlicher Gattungsrechte immerhin auch enthalten sind:

  • Die Natur soll den Menschen mit einer handvoll Schutzrechten vor staatlicher Willkür ausgestattet haben: Woher weiß die Natur, dass der Mensch einem Staat unterworfen ist? Und wie kommt sie darauf, dass der von sich aus die Leute zu unterjochen trachtet, wenn ihm keine Schranken gesetzt sind?
  • Eine vollständige Verschonung vor staatlicher Gewalt versprechen auch die Menschenrechte nicht. Aber welches Maß an Schonung vor staatlicher Gewalt soll denn der Natur des Menschen entsprechen?
  • Ein moderner Staat lobt sich dafür, dass er das Menschenrecht einhält. Nur: Wenn schon der Staat ohne menschenrechtliche Fesselung ein einziger unmenschlicher Willkürapparat sein soll – spricht das dann wirklich für ihn?
  • Und wenn der Staat für die Menschen nur dadurch überhaupt erträglich sein soll, dass das Menschenrecht ihm so manches verbietet – sollte das nicht ein paar Zweifel an dem aufkommen lassen, was er sich im Übrigen so alles erlaubt?

Vielleicht ist ja die große aufklärerische Idee eines menschlichen Naturrechts, das staatliche Gewalten bindet, tatsächlich nicht mehr als eben dies: theoretisch eine einzige Paradoxie und praktisch zu nichts anderem nütze als zur Verherrlichung genau der Gewalt, die neuzeitliche Staaten für die Durchsetzung ihrer Zwecke für angebracht halten.

Vortrag und Diskussion mit einem Mitglied der Redaktion GegenStandpunkt

Dienstag, 29.10.2013, 19:00 Uhr
Universität Bielefeld, H9

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Arbeitskreis Demokratie: Die perfekte Form bürgerlicher Herrschaft http://ak.blogsport.de/2013/09/20/arbeitskreis-demokratie-die-perfekte-form-buergerlicher-herrschaft/ http://ak.blogsport.de/2013/09/20/arbeitskreis-demokratie-die-perfekte-form-buergerlicher-herrschaft/#comments Fri, 20 Sep 2013 14:47:39 +0000 Administrator Allgemein Staat http://ak.blogsport.de/2013/09/20/arbeitskreis-demokratie-die-perfekte-form-buergerlicher-herrschaft/ Freie Wahlen werden als Kernstück der Demokratie geschätzt. In der Demokratie, heißt es, wird nicht einfach regiert – das Volk erteilt per Abstimmung den Auftrag zur Wahrnehmung der Staatsgeschäfte. Die Ablieferung dieser Zustimmung macht die politische Betätigung der Bürger aus, was auch notorische Fans der Demokratie nicht mit der Ausübung von „Macht“ verwechseln. Mit den Wahlkreuzen legitimieren die Wähler nämlich eine Herrschaft, die sich auf ihre Unabhängigkeit vom „Druck der Straße“ viel einbildet und von ihrer Freiheit regen Gebrauch macht.

Die Wahl ermächtigt Politiker zum Gebrauch einer fix und fertigen Staatsgewalt. Staatslenker entscheiden dann auch sachgemäß über die Lebensverhältnisse der Wähler. Die Prinzipien von Demokratie und Marktwirtschaft sind zwar ständiges Thema im Wahlkampf – aber stets nur in Gestalt von Voraussetzungen…

Denn bei jedem Urnengang steht schon einiges fest:

- Ein komplettes Rechtssystem legt fest, wie weit die Freiheit der Bürger untereinander und gegenüber der Staatsgewalt geht.
- Ein fertiges Wirtschaftssystem legt die Bürger darauf fest, sich für die Vermehrung von Privateigentum nützlich zu machen. Ganz gleich, welche Unterschiede dabei entstehen und wie viel Eigentum der einzelne dabei hat – fest steht: Nur so geht Partizipation am gesellschaftlichen Reichtum.
- Verteidigungsministerium und Bundeswehr, Finanzministerium und Steuerhoheit, Innenministerium und Polizei kann man nicht abwählen. Diese politischen Ämter und ihr gesetzlicher Auftrag stehen nicht zur Wahl, sondern Parteien und Personen, die diese Ämter wahrnehmen wollen.

Mündige Bürger machen sich nach eigenen Aussagen keine Illusionen, durch die Wahl etwas zu „bewirken“ oder zu „verändern“, durchschauen locker den „Wahlschwindel“. Ganz abgeklärt haben sie eine schlechte Meinung – und geben trotzdem oder deswegen ihre Stimme ab. Um diese Wählerstimmen kämpfen Politiker, die damit werben, dass sie im Gegensatz zu ihren Konkurrenten über die geeignete Persönlichkeit zur Bewältigung der Sachzwänge der Nation verfügen. Kein Wunder, dass dann auch Steinbrücks Stinkefinger und Merkels Halskette ein Thema im Wahlkampf werden!

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Wir bieten allen Interessierten eine Diskussion über Nutzen und Nachteile der Demokratie an. Auch wenn es aufgeklärten Zeitgenossen ‚letztlich doch egal‘ ist, von wem sie regiert werden; egal sollte es ihnen nicht sein, dass sie von ihrer demokratisch gewählten Herrschaft alle Lebensbedingungen serviert bekommen, mit denen sie praktisch zurechtkommen müssen. Wie das funktioniert, soll Thema im Arbeitskreis Demokratie sein.

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Die ersten Termine:
Montag, 30. September 2013 und Montag, 14. Oktober 2013,
jeweils 20.00 Uhr in der Bürgerwache am Siegfriedplatz (Raum 104), Rolandstr. 16 in Bielefeld.

Text zur Vorbereitung:
Peter Decker (Hrsg.) – Demokratie. Die perfekte Form bürgerlicher Herrschaft. GegenStandpunkt-Verlag, 2013.

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