Analyse und Kritik http://ak.blogsport.de Sun, 19 Jun 2016 12:47:21 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Finanzpolitik und Finanzgeschäft heute http://ak.blogsport.de/2016/06/19/finanzpolitik-und-finanzgeschaeft-heute/ http://ak.blogsport.de/2016/06/19/finanzpolitik-und-finanzgeschaeft-heute/#comments Sun, 19 Jun 2016 12:47:21 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2016/06/19/finanzpolitik-und-finanzgeschaeft-heute/ Was die krisenhafte Ausnahme über die Normalität der „systemrelevanten“ Branche zu erkennen gibt

Buchvorstellung und Diskussion mit dem Autor Peter Decker

Was ist los, wenn Mario Draghi die Geldmärkte flutet und dabei in Billionen rechnet? Das Geld, um das sich in dieser Gesellschaft alles dreht, das alle Leute verdienen müssen und nie geschenkt bekommen, kann die EZB offenbar nach Bedarf schöpfen. Worin besteht dieser Bedarf – und was sagt es über dieses Geld, wenn ein politisches Machtwort es erschaffen kann?

Was ist in die Zentralbanker gefahren, dass sie die Inflation, die sonst unerwünschte bis gefährliche Geldentwertung auf einmal zum kaum erreichbaren Wunschziel ihrer Geldpolitik erklären? 2% Inflation soll unsere Welt wieder in Ordnung bringen! 0,2 % Deflation, ein nicht nur stabiles, sondern gegen die Waren aufwertendes Geld soll ein Gift sein, das die Wirtschaft zerstört.

Was ist die Lage und was die Absicht, wenn die EZB eine „Nullzins-Politik“ betreibt, d.h. von den Banken keine Zinsen mehr verlangt, wenn sie ihnen Geld zur Verfügung stellt. Und wenn die Banken daraufhin selbst für Einlagen bei ihnen und Kredite an sie keine Zinsen mehr zahlen? Dann lohnt sich das Geld nicht mehr! Es „wirft keine Jungen“, wächst nicht von selbst wie ein lebendiger Organismus. Das ist in diesem System keine Rückkehr zu Vernunft und Normalität, sondern eine Katastrophe. Nichts ist in Ordnung, wenn das natürlichste Grundgesetz des Kapitalismus, dass der Besitz von Geld den Eigentümer immer reicher macht, nicht mehr funktioniert.

Was nun? Die Banken werden durch Anreize und Strafzinsen geradezu gezwungen, mehr Kredite zu vergeben. Ihre Kunden, vor allem die Staaten, aber auch andere Banken, sollen aber nicht noch mehr Schulden machen; die waren ja der Grund der Finanzkrise. Schulden sind schlecht und müssen zurückgeführt werden, Kredite hingegen kann es nicht genug geben. Was ist der Unterschied? Und wenn es schon keinen gibt: Warum ist er dann so wichtig?

Solche und andere Fragen werden behandelt. Unser Vortrag bietet weder Anlageberatung noch Einblicke in die geheime Macht und Machenschaften von Hedge-Fonds. Sondern: eine Einführung in die politische Ökonomie des verliehenen Geldes.

Veranstaltung in Kooperation mit dem Referat für politische Bildung des AStA der Uni Bielefeld:

Montag, 27.06.2016, 18:00 Uhr
Uni Bielefeld, H2

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Ansätze gegen den Zeitgeist http://ak.blogsport.de/2015/11/04/ansaetze-gegen-den-zeitgeist/ http://ak.blogsport.de/2015/11/04/ansaetze-gegen-den-zeitgeist/#comments Wed, 04 Nov 2015 10:33:26 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2015/11/04/ansaetze-gegen-den-zeitgeist/ Eine Veranstaltungsreihe der AG Analyse und Kritik.

Alle Veranstaltungen beginnen um 18:00 Uhr.

Wer verdient warum wieviel?
Donnerstag, 12. November
H2, Universität Bielefeld
Referentin: Prof. Dr. Margaret Wirth
Veranstaltung auf facebook

Fair Trade und Ethischer Konsum
Donnerstag 19. November
X-E1-203, Gebäude X, Universität Bielefeld
Diskussionstermin
Veranstaltung auf facebook

Weltflüchtlingsmacht Deutschland
Mittwoch 25. November
X-E0-002, Gebäude X, Universität Bielefeld
Referent: Jonas Köper (Redaktion GegenStandpunkt)
Veranstaltung auf facebook

Wahrheit – gibt es nicht! Ist das wahr?
Mittwoch 02. Dezember
T2-213, Universität Bielefeld
Diskussionstermin
Veranstaltung auf facebook

Behinderung im Kapitalismus
Dienstag, 8. Dezember
H5, Universität Bielefeld
Referent: Prof. Dr. Matthias Schnath (EFH Bochum)
Veranstaltung auf facebook

Die gesellschaftliche Institution Familie –
Ort des Glücks, des Psychoterrors und des Amoklaufs

Donnerstag 17. Dezember
T2-213, Universität Bielefeld
Diskussionstermin
Veranstaltung auf facebook

Mit freundlicher Unterstützung des AStA der Uni Bielefeld

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Das Tarifeinheitsgesetz http://ak.blogsport.de/2015/06/09/das-tarifeinheitsgesetz/ http://ak.blogsport.de/2015/06/09/das-tarifeinheitsgesetz/#comments Tue, 09 Jun 2015 11:59:47 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2015/06/09/das-tarifeinheitsgesetz/ Kaum streiken einige Kleingewerkschaften ernsthaft,
erlässt die Regierung unter dem Beifall von
Arbeitgeberverbänden und DGB ein Gesetz dagegen.

1.

Was eine Gewerkschaft kann, wenn sie ihre Mitglieder hinter sich hat und entschlossen ist, ihre Interessen gegen ihren Arbeitgeber, in diesem Fall die Deutsche Bahn, auch durchzusetzen, hat die Lokführergewerkschaft GDL einige Male vorgeführt. Die GDL weiß: Sie muss streiken, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. So lange die nicht durch kollektive Arbeitsverweigerung zur Geltung gebracht werden, sind die Interessen ihrer Mitglieder allein Opfer der Gewinnkalkulation von Unternehmen. Dieser Arbeitskampf ist bis heute noch nicht beendet. Erreicht hat die GDL mit dem letzten Streik allererst, dass die Bahn sich – zwei Tage vor der Verabschiedung des „Tarifeinheitsgesetzes“, das bereits „Anti-Weselsky-Gesetz“ heißt (Focus) – bereit erklärt, die GDL überhaupt wie eine Gewerkschaft mit eigenen Mitgliedern anzuerkennen.

2.

Der Öffentlichkeit nimmt eindeutig Partei: Gleichgültig gegen Grund und Zweck des Streiks, gleichgültig gegenüber der Lage der Bahnbeschäftigten beharren die Kommentatoren in Presse und Fernsehen darauf, dass die Lokführer gefälligst ihren Dienst an der Allgemeinheit zu leisten hätten, anstatt „Millionen“ von Pendlern (Spiegel), eigentlich „ein ganzes Land“ (Wirtschaftswoche) und „seine tragende Säule, den Mittelstand“ (FAZ) „in Geiselhaft“ (BILD) zu nehmen. So ein Streik kann gar nichts anderes als ein „sinnloser Machtkampf“ sein, geführt zur Befriedigung der „Machtgelüste“ (Focus) eines „Größen-Bahnsinnigen“ (BILD) in Gestalt des GDL-Chefs Weselsky.

3.

Die Politik greift früh ein und liefert der allseitigen Hetze weiteres Material: Zwar ist für Ministerin Nahles (SPD) das „Streikrecht ein zentrales Grundrecht, ein Eckpfeiler unserer Demokratie“; aber kaum wird das Recht wahrgenommen, liegt für sie ganz offensichtlich ein Anschlag auf den Sinn dieses Rechts vor: „Hier scheint das Prinzip vorzuherrschen: Wenige schauen nur auf sich. Dass einige Spartengewerkschaften für ihre Partikularinteressen vitale Funktionen unseres gesamten Landes lahmlegen, ist nicht in Ordnung.“ Sie verabschiedet am 22.05.15 ein „Gesetz zur Tarifeinheit“, das zwar nachwievor verschiedene Gewerkschaften pro Betrieb zulässt, zugleich aber sicherstellt, dass nur die Tarifabschlüsse der Mehrheitsgewerkschaft gelten. Der Beifall der Arbeitgeberverbände und des DGB ist der Politik sicher: Diese große Koalition der alles entscheidenden gesellschaftlichen Mächte geht davon aus, mit dem neuen Gesetzeswerk „störenden Aktivitäten“ kleiner Spartengewerkschaften, die sich in ihrem Tarifkampf nicht von vornherein am Betriebs- und Allgemeinwohl orientieren, definitiv den Boden entziehen zu können.

4.

Das jetzt verabschiedete Gesetzeswerk stößt nicht überall auf Zustimmung. Linke Kreise warnen vor der Aushöhlung der Koalitionsfreiheit und der Untergrabung des Streikrechts: für sie der Inbegriff von gewerkschaftlich erkämpften Besitzständen, mit denen sich Lohnarbeiter – angeblich – frei von staatlicher Einflussnahme ihre Rechte gegen das Kapital sichern können. Diese Kritik lassen die Politik, der Bund Deutscher Arbeitgeber und der DGB nicht gelten: Auch sie sehen in der Koalitionsfreiheit ein schützenswertes „hohes Gut“ (CSU) und unterstreichen, dass mit dem neuen „Gesetz zur Tarifeinheit“ weder das Streikrecht noch die Koalitionsfreiheit angetastet werden.

5.

All das wirft Fragen auf:

  • Warum müssen in „unserer Marktwirtschaft“ Arbeiterinteressen per Machtkampf geltend gemacht werden?
  • Warum gilt der gesetzlich zugelassene Arbeitskampf sofort als Anschlag auf die Grundfesten der Wirtschaft, wenn er ernsthaft betrieben wird?
  • Warum zieht gerade die GDL in ihrem Arbeitskampf diese ziemlich beispiellose Hetze von Politik, Presse, Funk und Fernsehen auf sich?
  • Wie erklärt es sich, dass sich gegen den Arbeitskampf von Spartengewerkschaften jene gesellschaftlichen Mächte, Staat, Kapital und DGB, zusammenschließen, die doch bei der Regelung „sozialer Fragen“ als Gegner gelten?
  • Warum braucht es ein Tarifeinheitsgesetz zum „Schutz der Tarifautonomie“ (Nahles), wo der doch im Grundgesetz verankert ist?
  • Warum gelten Koalitionsfreiheit und Streikrecht als wertvolle Grundrechte, wo doch mit ihnen jede Gegenwehr von Gewerkschaften unter Staatsaufsicht gestellt ist?

Veranstaltung des Referats für politische Bildung des AStA der Uni Bielefeld:

Donnerstag, 11.06.2015, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H2

Referent: Prof. Dr. Freerk Huisken

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Ein Lehrstück über Geld, Kredit und Macht im Europa des Euro http://ak.blogsport.de/2015/04/14/ein-lehrstueck-ueber-geld-kredit-und-macht-im-europa-des-euro/ http://ak.blogsport.de/2015/04/14/ein-lehrstueck-ueber-geld-kredit-und-macht-im-europa-des-euro/#comments Tue, 14 Apr 2015 07:37:11 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2015/04/14/ein-lehrstueck-ueber-geld-kredit-und-macht-im-europa-des-euro/ Der politische Kampf um die „Rettung Griechenlands“

Wer

  • sich als deutscher Steuerzahler fühlt, dem die Griechen auf der Tasche liegen, und über ‚Griechen-Raffkes‘ echauffiert,
  • ‚unseren‘ Euro vor hellenischer Misswirtschaft retten möchte,
  • die einschneidenden Reformen vermisst, die Griechenland ‚uns‘ schuldet;

wer

  • meint, dass stattdessen Hilfe für das griechische Volk und seine Regierung nottut und möglich sein müsste,
  • sich um Alternativen der Rettung Griechenlands und um die Verantwortung deutscher Politik sorgt,
  • die rigiden Spardiktate für einfach verfehlt und kontraproduktiv hält,
  • für Schuldenschnitt und mehr Kredit für den griechischen Staat als Weg der Besserung plädiert;

wer

  • in der Euro-Krise Chancen für ein endlich solidarisches Europa der Völker entdeckt,
  • in den Notstrategien der griechischen Bevölkerung den Keim einer neuen sozialistischen Lebensform ausmacht,

der kommt bei der Veranstaltung garantiert nicht auf seine Kosten – allenfalls in den Genuss einer Kritik seiner Urteile und Vorstellungen.

Nützlich können Vortrag und Diskussion mit einem Redakteur der Zeitschrift GegenStandpunkt dagegen für alle sein, die

  • sich für die politische Ökonomie der griechischen Katastrophe interessieren,
  • die Krise des Euro und der EU nicht bedauern, sondern sich erklären wollen,
  • vom wirklichen Zusammenhang zwischen Eurokredit, Krise und Krisenkonkurrenz der Euro-Staaten und Verarmung mehr wissen wollen, als Draghi, Schäuble und AfD darüber erzählen.

Dienstag, 28.04.2015, 19:00 Uhr
Universität Bielefeld, T2-213

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Geschichtswissenschaft http://ak.blogsport.de/2014/10/17/geschichtswissenschaft/ http://ak.blogsport.de/2014/10/17/geschichtswissenschaft/#comments Fri, 17 Oct 2014 12:24:31 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/10/17/geschichtswissenschaft/ Die Verwechslung von Begriff und Genese

Das 100-jährige Jubiläum des Ersten Weltkriegs ist das „Mega-Thema der öffentlichen Gedenkkultur“ (Spiegel 1/14). Da lassen sich Historiker nicht lumpen und bereichern das Gedenkjahr um eine Flut von wissenschaftlichen Darstellungen über die sog. „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. „Aus der Geschichte lernen“ soll der Leser dieser Resultate ihres historischen Forschens. – Ein guter Anlass zu prüfen, wie Geschichtswissenschaftler zu ihren Lehren kommen und sich dabei die Logik des historischen Denkens klar zu machen:

Historiker halten bei allen Gegenständen die immer gleiche Bestimmung fest, Produkt der Geschichte zu sein. „Die Geschichtswissenschaft gründet auf der Überzeugung, dass die Gegenwart aus der Vergangenheit hervorgeht,“ heißt es. Das Wesen der Dinge liegt damit in ihrem Bewirktsein durch Anderes, Früheres. Ein Historiker will „die gegenwärtige Welt als historisch gewordene erklären“. Die Kardinalfrage des Historikers lautet: Wie ist es zum Gegenstand meines Interesses gekommen? Eine geschichtliche Erklärung liegt immer in der Entstehung. Ursache ist immer der Ursprung. Geschichte ist für einen Historiker nicht das, was erklärt werden soll, sondern das, womit alles erklärt werden muss. Es geht nicht um die Erklärung geschichtlicher Phänomene, sondern um die geschichtliche Erklärung der Phänomene.

Damit ist eine entscheidende Weiche gestellt: Der Schlüssel zur historischen Erkenntnis eines Gegen­standes liegt programmatisch außerhalb des Gegenstands in dessen ‚Vorgeschichte‘. Um einen Gegenstand zu erklären, wendet sich der Gedanke im Rückwärtsgang von ihm ab und vorausgehenden, oft weit zurückliegenden Geschehnissen zu. Der Gedanke entfernt sich damit von seinem Gegenstand, um sich im weiten Feld seiner Vorgeschichte nach Entstehungsbedingungen umzutun, die seine Entstehung bewirkt haben sollen. Das heißt nicht, dass über den zur Debatte stehenden Gegenstand nichts gesagt worden wäre. Mit dem Erklärungsprinzip ‚Vorgeschichte‘ ist er kategorisch als Wirkung früher datierender Ereignisse identifiziert.Und die zur Erklärung herangezogenen Begebenheiten der Vorgeschichte haben auch schon ihre spezifisch historische Qualität abbekommen: Sie sind Ursache für Späteres. Jedes Phänomen wird von der Warte eines anderen aus rezipiert. Die historischen Phänomene geben sich – unter der Ägide ihres Interpreten – wechselseitig ihren Begriff. Die Identität einer Sache wird damit in dem angesiedelt, was sie nicht ist. Jeden Gegenstand lässt der Historiker in die Verhältnisse zerfallen, deren Ergebnis er sein soll bzw. für die er als Bedingung oder Ursache zitiert werden kann. Nichts gilt für sich, nichts muss folglich hinsichtlich seiner Qualitäten bestimmt werden. Die Begriffslosigkeit ist Programm. „Die Historie lässt die Gegenwart in die Vergangenheit vergehen.“ In der Tat: Historische Erklärungen verlaufen sich in der Vorgeschichte ihres Themas.

Die solchermaßen konstruierten geschichtlichen Zusammenhänge sind notwendig abstrakter Natur: Wer sich von vornherein einen Begriff des zu erklärenden Gegenstand erspart, kann unmöglich seine notwendigen Entstehungsbedingungen darlegen. Deswegen sind trübe Prädikate wie ‚führte zu‘, ‚mündete in‘, ‚brachte hervor‘, ‚hatte Einfluss auf‘, ‚war Voraussetzung für‘, ‚hängt zusammen mit‘, ‚bahnte an‘ und am schönsten: ‚zeitigte‘ die allgegenwärtigen Formeln zur Erzeugung eines Scheins historischer Folgerichtigkeit. Das reflektiert diese Wissenschaft nicht als Manko. Im Gegenteil:

Die Verwechslung von Begriff und Genese ist zwar wissenschaftlich gesehen ein Fehler. Er ist es aber gerade, der der Geschichtswissenschaft eine immense Freiheit der Interpretation eröffnet: ‚Jede Generation muss ihre Geschichte neu schreiben‘, heißt es. Man kann sich darauf verlassen, dass die historische Weisheit immer aktuell ist. – Aktuell sind daher auch die Lehren, die die Historiker aus ihren falschen Erklärungen der sog. „Urkata­strophe des 20. Jahrhunderts“ passend zum Jubiläumsjahr gezogen haben.

Mehr darüber im Vortrag mit Diskussion

Dienstag, 28.10.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H3
Referent: Dr. Theo Wentzke (Redaktion GegenStandpunkt)

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http://ak.blogsport.de/2014/10/17/geschichtswissenschaft/feed/
Die friedliche Eroberung der Ukraine durch die EU findet ihr Ende: http://ak.blogsport.de/2014/06/23/die-friedliche-eroberung-der-ukraine-durch-die-eu-findet-ihr-ende/ http://ak.blogsport.de/2014/06/23/die-friedliche-eroberung-der-ukraine-durch-die-eu-findet-ihr-ende/#comments Mon, 23 Jun 2014 14:04:37 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/06/23/die-friedliche-eroberung-der-ukraine-durch-die-eu-findet-ihr-ende/ Der Westen erklärt Feindschaft zu Russland

Putin ist schuld. Diese Moral hängen die deutschen Leitmedien vor und an jede Geschichte aus der Ukraine; dann berichten sie vom eskalierenden Bürgerkrieg zwischen „unserer“ westlichen Regierung und Gegnern ihrer Machtübernahme. Putin ist schuld. Vor allem auch daran, verkünden westliche Medien und Politiker, dass „wir“ Russland ab sofort als „Gegner“ (NATO-General Vershbow) behandeln, weltwirtschaftlich und weltpolitisch „isolieren“ (Obama), mit ansteigenden Sanktionen zunehmend „untragbar“ (Merkel) schädigen. Obama und Merkel versichern, dass sie dazu militärische Mittel nicht nötig haben und insoweit ausschließen. Das darf zumindest das deutsche Fußvolk als Friedensverantwortung missverstehen. Wenn die NATO dann doch rund um Russland aufmarschiert: Schuld ist…

Was hat Russland getan, was der Westen mit dieser erklärten Feindschaft bekämpft? Russland

  • hat die westlich unterstützte Machtergreifung prowestlicher Kräfte in Kiew, die der Westen sofort als legitime Regierung anerkannt und in der Staatenwelt abgesichert hat, nicht anerkannt.
  • hat seinen strategischen Stützpunkt Krim über ein Votum der dortigen Bevölkerung sich angeschlossen und dem westlichen Zugriff entzogen.
  • verurteilt das militärische Vorgehen Kiews in der Ukraine gegen Gegner der neuen Mächtigen und konzentriert Truppen an der Grenze zum ukrainischen Bürgerkrieg.
  • verlangt eine internationale Regelung der umstrittenen Machtverhältnisse der Ukraine unter maßgeblicher Beteiligung Russlands und eine Staatsverfassung mit verbriefter Berücksichtigung insbesondere seines Interesses an Bündnisneutralität der Ukraine.
  • verwirft rückblickend die Osterweiterung von EU und NATO als Einkreisungspolitik gegen Russland…

Das verurteilt der Westen als Verletzung der „Regeln“ und der „Weltordnung“, die nach Ende des Kalten Krieges mit der Sowjetunion zu gelten hätten. Was für eine Ordnung? Offenbar eine, die westliche Machtergreifung wie in Kiew und Machtausweitung von EU und NATO als Recht ein- und in Gegenzug Machtansprüche Russlands ausschließt. Obama „sieht“ Russland schon mal als „bloß eine Regionalmacht“.

Dabei hätten die westlichen Politiker gern die Politik der „Partnerschaft“ mit Russland und seine „Integration in die euroatlantische Gemeinschaft“ (Kerry) fortgesetzt, die für ihre Liebe zum Frieden mit Russland stehe. Nun geben sie sich „genötigt“ zur Fortsetzung ihrer Politik mit anderen, mit Zwangsmitteln. Nur: Wenn die neue offene Feindseligkeit des Westens gegen Russland die Fortsetzung der westlichen (Ein)Ordnungspolitik rund um Russland ist, dann war die wohl auch bisher nach Ziel und Inhalt nicht so friedlich, wie die Einladungen an Russland mitzumachen vorgaben?

Die neue Konfrontation mit Russland setzen die USA in die Tat um; die lauteste Klage, dass Russland die Politik der „Partnerschaft“ kaputt mache, führen Deutschlands Außenpolitiker.
Die USA verlangen als „Gebot der Stunde“

  • eine Umkehr der „Energieabhängigkeit“ Europas von Russland
  • die Umwandlung des Handels mit Russland und dessen Abhängigkeiten von Waren und Kapital aus dem Westen zu Waffen gegen seine „Modernisierung“ im Weltkapitalismus
  • den Ausschluss Russlands aus Institutionen der Weltpolitik und seine „Isolierung“
  • eine Neuaufstellung der NATO und Aufrüstungsanstrengungen ihrer Mitgliedstaaten…

Deutschlands Außenpolitiker beschwören die „Fäden“ zu Russland, die man nicht abreißen lassen dürfe. Dann hat die Führungsmacht Europas am neuen Kurs wohl nicht nur etwas zu gewinnen; legt das aber Russland zur Last.

Manche im deutschen Volk wollen nicht flott mit bei der neuen Feindseligkeit gegen die Russen, und Deutschlands Leitmedien legen sofort eine Umerziehungskampagne auf.

Was ist das für eine neue Weltlage, die da angerichtet wird?

Mittwoch, 02.07.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H5

Referent: Jonas Köper (Redaktion GegenStandpunkt)

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Anmerkungen zum kapitalistischen Verhältnis zwischen Arbeit und Reichtum http://ak.blogsport.de/2014/05/22/anmerkungen-zum-kapitalistischen-verhaeltnis-zwischen-arbeit-und-reichtum/ http://ak.blogsport.de/2014/05/22/anmerkungen-zum-kapitalistischen-verhaeltnis-zwischen-arbeit-und-reichtum/#comments Thu, 22 May 2014 17:16:27 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/05/22/anmerkungen-zum-kapitalistischen-verhaeltnis-zwischen-arbeit-und-reichtum/ Referentin: Prof. Dr. Margaret Wirth

Alle brauchen Arbeit – viele finden keine. Man kann das als soziales Problem beklagen und sich vorstellen, „Beschäftigungsförderung“ wäre die passende Antwort, mit staatlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und einer Senkung der Lohnnebenkosten sowie mehr Druck auf die Arbeitslosen mit Hartz IV und anderen Sozialstaatsregelungen, mit einer Streichung der Vermögenssteuer und einer Umverteilung des „knappen Guts“ Arbeit durch Arbeitszeitverkürzung, mit der „Schaffung von neuen Arbeitsplätzen“ durch Teilzeit und Leiharbeit, oder wie auch immer. Über eine gewisse Absurdität muss man sich dabei allerdings schon hinwegsetzen: Wenn es nicht mehr so viel zu tun gibt, das Nötige von weniger Leuten in kürzerer Zeit zu erledigen ist – warum braucht dann überhaupt jeder Arbeit, und auch noch so viele vollgepackte Arbeitsstunden, um leben zu können? Dass weniger Arbeit ersparte Mühe bedeutet: Warum gilt die Gleichung nicht?

Dass so viele Leute Arbeit brauchen und keine Arbeit finden, während andere viel zu viel arbeiten müssen, liegt an einem ökonomischen Problem: Arbeit findet statt, wenn sie rentabel ist; und sie unterbleibt, wenn sie nicht rentabel ist, d.h. wenn sie dem Unternehmen, in dem und für das sie stattfindet, nicht genügend einbringt; nicht genug Ertrag nämlich, um in der Konkurrenz, der „globalen“, zu bestehen. Wenn das aber so ist, dann findet Arbeit auch nur deswegen statt, weil und damit sie einem Unternehmen Gelderträge verschafft: Gearbeitet wird aus keinem anderen ökonomischen Grund und mit keinem anderen Ziel als diesem nie abschließend zu erledigenden Auftrag,deswegen auch je mehr, umso besser. Und aus keinem anderen Grund unterbleibt sie dann eben auch, wenn sie nämlich nicht genügend Geld bringt. Und das ist offenbar gerade mit den Rentabilitätsfortschritten bei der Anwendung von Arbeit immer häufiger der Fall. Die ökonomische Zielsetzung, die in der sogenannten Marktwirtschaft total und exklusiv bestimmend ist, gebietet offenbar gleichermaßen „Vollbeschäftigung“ und „strukturelle Arbeitslosigkeit“. Da kann es gar nicht genug Arbeit geben, weil Arbeit die Unternehmen bereichert; und zugleich sorgen die Unternehmen dafür, dass immer weniger Arbeit dieser Anforderung genügt.

Es mag ja sein, dass sich alle Welt an diese Verrücktheit gewöhnt hat und sie normal findet; auch die Experten und Verwalter dieses Systems finden ja offenbar nichts dabei, wenn sie dazu nur widersprechende Auskünfte parat haben: Es wird zu wenig gearbeitet, wenn mehrere Millionen Arbeitslose in der Nation, einige zehn Millionen in der EU und zahllose Millionen auf dem Globus herumlungern; und es wird zugleich immer noch zu viel gearbeitet, so dass die reine „wirtschaftliche Vernunft“ die Schließung selbst großer nationalen Unternehmen gebietet, wenn die nur mit Milliardensubventionen weiterarbeiten. Tatsächlich scheint eben beides zugleich vorzuliegen, wenn es beim Arbeiten bzw. Arbeitenlassen: um immer mehr Geld geht: Es kann für diesen Zweck nie genug geschafft werden, und zugleich gibt es immer zuviel Arbeit, die vor dieser Zwecksetzung versagt. Es hilft ja nichts, dass es „nun einmal“ so ist – ein wenig widersprüchlich ist es schon, dieses System der rentablen Arbeit und des gesellschaftlichen Reichtums, den sie schafft.

Keine Frage: Staat und Unternehmen können damit prächtig leben – sie organisieren die Arbeit ja so und profitieren von ihrer Rentabilität. Den systemeigenen Widerspruch, dass erstens unbedingt gearbeitet werden muss und deswegen zweitens nur sehr bedingt, machen sie zu einem Problem derer, die als ausübendes Personal unbedingt Arbeit brauchen und ganz oft keine finden. Und dann definieren sie die materiellen Probleme, die die Leute haben, als soziale Problemlage, die sie mit den bedürftigen Leuten haben.

Man sollte deswegen die Rede vom sozialen Problem auch nicht für die Sache nehmen, vom Elend betroffen über die Ungerechtigkeit der Verteilung des Reichtums oder die wachsende Schere zwischen arm und reich klagen und dann nach „Schuldigen“ dafür suchen, dass diesem „Problem“ durch all die eifrig diskutierten, probierten und wieder aufgegebenen „Bündnisse für Arbeit“ und Bemühungen, „Arbeitsplätze zu schaffen“ nie beizukommen ist. Genauso wenig empfiehlt es sich, das Kriterium der Rentabilität als Inbegriff wirtschaftlicher „Vernunft“ und „Sachnotwendigkeit“ zu akzeptieren und mit den Bedenklichkeiten erst anzufangen, wenn die öffentliche Meinung sich entschließt, seine „Schattenseiten“ zur Kenntnis zu nehmen. Die Absurdität des Systems, der Grund seiner Schädlichkeit für die Masse seiner Insassen, liegt nicht darin, dass Arbeit nicht stattfindet, wenn sie nicht rentabel ist, sondern dass sie stattfindet, weil es um Rentabilität geht. Seine soziale Gemeinheit beginnt nicht damit, dass die Leute, die Arbeit brauchen, oft keine finden, sondern besteht schon darin, dass sie Arbeit brauchen; dass sie dann noch nicht einmal sicher sein können, eine zu finden, folgt daraus von ganz allein.

Die Veranstaltung stimmt daher auch nicht ein in den Chor der sozialen Klagen über das ungerechte Los von Beschäftigten und Beschäftigungslosen, über die wachsende Kluft zwischen arm und reich, über Profitgier und mangelnde Unternehmer- und Staatsverantwortung. Von solchen Klagen gibt es längst genug, und sie landen so sicher wie das Amen in der Kirche bei Anträgen und Aufträgen an die Adresse derjenigen, die gemäß den Kriterien der Rentabilität „Beschäftigung“ organisieren bzw. solche Beschäftigung politisch fördern und deren soziale Folgen verwalten – bei Aufträgen, die regelmäßig von der falschen Einsicht in die „Schwierigkeiten“ und „Sachzwänge“ getragen sind, denen Unternehmen und Staat bei ihren Bemühungen um „Arbeitsplätze“ unterliegen.

Gezeigt werden soll statt dessen, dass und wie es an an der herrschenden Produktionsweise, an der gesellschaftlichen Form des Reichtums, am Geld, und an den Bestimmungen der Arbeit, die für die Produktion dieses Reichtums verrichtet wird, also am gegensätzlichen Verhältnis zwischen Arbeit und Reichtum im Kapitalismus liegt, wenn die Resultate des Arbeitens gegen Geld und Arbeiten Lassens für Geld so gegensätzlich und einseitig ausfallen.

Dienstag, 03.06.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H9

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Warum sich bürgerliche und linke Antifaschisten mit der Kritik von Neonazis schwer tun http://ak.blogsport.de/2014/04/29/warum-sich-buergerliche-und-linke-antifaschisten-mit-der-kritik-von-neonazis-schwer-tun/ http://ak.blogsport.de/2014/04/29/warum-sich-buergerliche-und-linke-antifaschisten-mit-der-kritik-von-neonazis-schwer-tun/#comments Tue, 29 Apr 2014 15:12:39 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/04/29/warum-sich-buergerliche-und-linke-antifaschisten-mit-der-kritik-von-neonazis-schwer-tun/ Referent: Prof. Dr. Freerk Huisken

Demokraten aus Politik und Öffentlichkeit können Rechtsextremismus und (Neo-)Faschismus nicht kritisieren. Wie sollten sie auch den Nationalismus deutscher Bürger angreifen, wenn diese patrioti­sche Gesinnung für sie doch eine zentrale Produktivkraft ihrer demokratischen Herrschaft darstellt. Dafür grenzen sie den (Neo-)Faschismus nur aus, kriminalisieren ihn und erörtern erneut das Partei­enverbot. Sie veröffentlichen Steckbriefe von den Funktionären und enttarnen Neonazis an ihrer Kleidung, ihren Codes und ihrer Musik. Als ob Bürger nur wissen müssten, wie neue Faschisten aussehen und sich kleiden, um sich von ihnen abzuwenden. Man findet Neonazis zudem ungebildet, dumm, dumpf und versoffen – viel zu sehr unter Niveau, als dass es ihre Parolen verdienten, als po­litisches Programm ernst genommen zu werden. Das rächt sich.

Mit Kritik lässt sich so etwas nicht verwechseln. Und die bei deutschen Bürgern verbreitete Auslän­derfeindlichkeit wird dadurch nun wirklich nicht ausgeräumt. Umgekehrt, die wird von hiesigen Ausländerpolitik angeleitet und benutzt: Wenn sie regelmäßig verkündet, dass „das Boot voll“ ist, wenn sie „Kinder statt Inder“ fordert, wenn sie zwischen „Ausländern, die uns nützen, und solchen, die uns ausnützen“, unterscheidet und Moslems des Terrorismus verdächtigt, dann bereitet demo­kratische Politik selbst das Fundament für rechtsextreme Gesinnung.

Mit der immer wieder beschworenen geistigen Auseinandersetzung mit alten und neuen Nazis hat das nichts zu tun; schon gar nichts trägt das zur Klärung der Frage bei, warum deutscher Patriotis­mus zu Morden an Ausländern führt, wie sie der NSU verübt hat.

Auch die linke Antifa tut sich schwer mit der treffenden Kritik am Neo-Faschismus und Rechtsextremismus. Besonders dann, wenn neue Faschisten eine Kritik am Kapitalismus vortragen, fällt vielen Antifa­schisten oft nur ein, dass sich hier „Wölfe“ mit „Schafspelzen“ verkleidet hätten. Das ist schlecht. Und wenn nach der Aufdeckung des NSU Teile der Antifa den neuen Aufschwung des bürgerlichen Antifaschismus der regierenden Demokraten begrüßen, ihn für überfällig erklären, ebenfalls für ein NPD-Verbot plädieren und sich gar als die effektiveren Verfassungsschützer anbieten, weil sie ja nicht auf dem „rechten Auge blind“ wären, dann offenbaren sie sich einmal mehr als die Sauber­männer der Nation, die die Demokratie von „braunen Flecken“ reinwaschen wollen.

Donnerstag, 08.05.2014, 18:00 Uhr
Universität Bielefeld, H14

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http://ak.blogsport.de/2014/04/29/warum-sich-buergerliche-und-linke-antifaschisten-mit-der-kritik-von-neonazis-schwer-tun/feed/
„Fair Trade“ und „Ethischer Konsum“ http://ak.blogsport.de/2014/02/21/fair-trade-und-ethischer-konsum/ http://ak.blogsport.de/2014/02/21/fair-trade-und-ethischer-konsum/#comments Fri, 21 Feb 2014 11:45:46 +0000 Administrator Allgemein http://ak.blogsport.de/2014/02/21/fair-trade-und-ethischer-konsum/ Der kapitalistische Weltmarkt als
Herausforderung an die Moral der Konsumenten

Das Herkunftsland steht auf der Verpackung, viele Lebensmittel kommen aus der „3. Welt“ und bekannt ist auch, welche Schweinereien in den Gütern des hier alltäglichen Verbrauchs stecken: in der Schokolade afrikanische Kindersklaven; in Handys und Festplatten total verarmte Bergleute aus Bolivien oder Kongo; in den Klamotten mies bezahlte, überarbeitete, manchmal bei Brandkatastrophen sterbende Näherinnen aus Bangladesh oder Pakistan; in Smart-Phones und -Pads Chinesen, die die Maloche zum Selbstmord treibt; …

Genauso regelmäßig wird mitgeteilt, dass v.a. in Europa oder USA beheimatete Konzerne entweder Urheber oder Nutznießer dieser Produktionsverhältnisse sind: Mit derlei Methoden – fehlende Schutzbestimmungen, nicht endende Arbeitstage und Dumpinglöhne – senken sie ihre Kosten und machen sie ihre Gewinne. So also sieht unsere freie Marktwirtschaft in diesen Ländern aus: Sie geht buchstäblich über Leichen.

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Was sagt uns das? Dort unten herrscht Ausbeutung! Und verglichen damit hierzulande relativer Wohlstand! Beides stimmt. Dort verdienen die Leute ihr Geld, wenn überhaupt, unter härtesten Arbeitsbedingungen; der Lebensstandard ist weitaus geringer; diese Völker sind gefragt als billiges und billigstes Humankapital: Darin sind sie mitunter rentabler als ihre Kollegen in den Metropolen (was die ihrerseits merken, wenn ganze Fabriken in „Niedriglohnstandorte“ ausgelagert werden). Anders aber als Hungerlöhner, die sich die im Land hergestellten Konsumgüter kaum leisten können, verfügen hiesige Arbeiter mit dem Lohn, den sie für ihre Benutzung erhalten, auch über eine Kaufkraft: In den Shoppingcentern des Nordens versilbern sie, soweit der Geldbeutel reicht, den Profit globaler Multis, der in den Warenbergen aus dem Süden steckt.

Wohlgemerkt, es sind derselbe Kapitalismus und dieselbe Rechnungsweise, die so unterschiedliche Phänomene hervorbringen: Zeigen die elenden Lebensumstände dort also nicht, dass lohnabhängige Menschen überall auf dem Weltmarkt dieselbe Rolle als nützliche Idioten des Kapitalreichtums spielen – und dabei auch noch als konkurrierende Manövriermassen ihrer Staaten gegeneinander aufgestellt werden?

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Kritiker decken solche Lebensbedingungen in Drittwelt- und Schwellenländern auf und verlangen von lokalen Potentaten wie von verantwortlichen Firmen Besserung; „immerhin“ die schlimmsten Exzesse hätten sie zu unterlassen. Hebel dafür soll – ausgerechnet – das Gewinninteresse der Unternehmen sein, das als Grund der unendlichen Skandale an der Arbeits- und Konsumfront durchaus geläufig ist. Natürlich lässt freiwillig oder wegen moralischer Appelle kein Staat und kein Konzern von seinem ungesunden Treiben: Aber gewissenhafte Verbraucher, so die rettende Idee, könnten sie ja auch zur „Vernunft“ zwingen.

Die Käufer übernehmen Verantwortung an Stelle der wirtschaftlich Verantwortlichen und verbessern die Welt, indem sie die Macht des kleinen Geldes benutzen, um die Manager des großen Geldes zu erziehen: Beim Einkaufen lassen sie den ärgsten Schrott, verseuchtes Essen oder Computer der „schwarzen Schafe“ unter den Herstellern und Händlern links liegen und kaufen nur bei den „Guten“; sie bevorzugen Öko- und Bioprodukte aus „nachhaltiger Landwirtschaft“, unterstützen klein- und mittelständische Unternehmen in der 3. Welt mittels Fair Trade und praktizieren damit sog. ethischen Konsum. Was ist davon zu halten?

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Über Identität und Unterschied des Kapitalismus in seinen Zentren und in seiner Peripherie; über Macht und Ohnmacht des Konsumenten, über kritische Verantwortung für den Globus und brave Mitmacherei daheim: Da gibt es einiges zu erläutern und zu diskutieren.

Vortrag & Diskussion
Mittwoch, 26.02.2014, 19:00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz

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