Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Über den alltäglichen Rassismus der Demokratie

Hinweis auf einen Vortrag im Rahmen des festival contre le racisme:

Wenn Neofaschisten ihr Deutschland den Deutschen, Ausländer raus! skandieren, weiß jedermann sofort, dass da Rassisten am Werk sind. Deshalb hat es für viele auch nichts mit Rassismus zu tun, wenn gute Demokraten im Staatsvolk „geborene Kriminelle“ und „geborene Führerpersönlichkeiten“ entdecken oder wenn das Volk per schulischer Auslese nach „Hochbegabten“ und „Unbegabten“ sortiert wird. All das fängt schon früh an: Kinder lernen in der Schule Toleranz gegenüber Fremden und dass „Ausländer auch Menschen“ sind. Wenn sie groß sind bekennen sie dann ganz unschuldig, dass sie eigentlich nichts gegen Ausländer haben – und registrieren nicht, dass sie selbst damit noch Partei nehmen für eine Sorte Menschensortierung, die es in sich hat.

Die Berufung auf die Menschennatur hat auch in der Demokratie Konjunktur. Nach wie vor ist es üblich, Menschen für politische und ökonomische Zwecke zu sortieren und dies dann ihnen selbst und ihren angeblichen Eigenarten anzulasten. Natürlich ist das nicht der Rassismus der Sklavenhaltergesellschaft oder des Nationalsozialismus! Doch wird durch solche Vergleiche der alltägliche Rassismus von heute auch nicht freundlicher.

Referent: Prof. Dr. Freerk Huisken

Dienstag, 05.06.2012, 18:00 Uhr
Audimin, Universität Bielefeld

Krise und Krisenpolitik in der EU

Europa soll gesunden – durch mehr Armut überall!

In Griechenland, einem Mitglied des stärksten Wirtschaftsblocks des 21. Jahrhunderts, wird inzwischen gehungert; die Renten und der mickrige staatliche Mindestlohn, an dem auch alle anderen Löhne im Land orientiert sind, werden um mehr als 20% gekürzt. Im öffentlichen Dienst werden Zehntausende entlassen, weitere sollen folgen; die Arbeitslosigkeit liegt auf einem Dritt-Welt-Niveau von 25%. In Spanien, Portugal etc. ist es nicht viel besser. Dort ist eine ganze Generation oft gut ausgebildeter junger Leute ohne Job, ohne Mittel und ohne Perspektive. Mit Renten, Gesundheitsleistungen und Löhnen wird ähnlich verfahren wie in Griechenland, zugleich werden die verarmten Bürger mit immer höheren Steuern und öffentlichen Gebühren für die Staatskasse in Anspruch genommen.

Die Finanzlage der betreffenden Nationen bessert sich dadurch nicht. Die Staatsausgaben sinken zwar, die Staatseinnahmen aber noch mehr, weil das staatliche Sparen die Wirtschaftstätigkeit im Land abwürgt. Aus all dem Elend folgt nur eines: Es ist noch lange nicht genug!

Damit sie endlich wieder Kapitalwachstum erzeugen, sollen die Partner ihre Länder gefälligst wettbewerbsfähiger machen, verlangt die deutsche Kanzlerin. Und wie geht das ohne neue große Staatsausgaben? Natürlich durch die weitere Senkung der Löhne, durch die Demontage von Kündigungsschutz, die Abschaffung geregelter Arbeitsverhältnisse und das Aufbrechen von bisher geschützten Branchen und Berufen: Arbeit in Europa muss billiger werden! Frankreich, Italien und andere brauchen dringend die Übernahme der deutschen Arbeitsmarktreformen unter Kanzler Schröder: Seine Arbeitslosenunterstützung am Existenzminimum (Hartz IV) und die Erpressung, auch die noch zu streichen, hat die Arbeitslosen gezwungen, jede Arbeit zu jedem Preis anzunehmen. Die Nötigung der Arbeitslosen, sich für alles herzugeben, hat einen wunderbaren Niedriglohnsektor wachsen lassen und über ein ganzes Jahrzehnt lang auch die Löhne im Nicht-Niedriglohn-Bereich nicht nur stabil gehalten, sondern gesenkt.
In der großen europäischen Krise ist Deutschland der Garant der Schulden der Nachbarstaaten, der Zuchtmeister bei deren sparsamer Haushaltsführung und das leuchtende Vorbild dafür, wie „es geht“: Politik, Wirtschaft und Medien in Deutschland schämen sich nicht dafür, das Lebensniveau der Arbeiterklasse nach unten reformiert zu haben; sie sind stolz, damit so erfolgreich gewesen zu sein: Heute schaffen in Deutschland mehr Menschen mehr Stunden denn je, und das für weniger Geld als die Jahrzehnte davor.
Erfolgreiche wie erfolglose Staaten der EU demonstrieren je auf ihre Weise: Der Reichtum ihrer Nationen beruht auf der Armut der Masse ihrer Bürger.

Das ist keine Propagandalüge und kein Fall von schlechter Politik, sondern hat System.

Diskussion mit einem Redakteur der Zeitschrift GegenStandpunkt

Dienstag, 22.05.2012, 20:00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz

Der „subjektive Faktor“: Vom freiheitlichen Selbstbewusstsein im modernen Kapitalismus

  • Mit welchem „Realismus“ bewältigen die Zeitgenossen die Anforderungen des Alltags?
  • Mit welcher Moral erklären sie sich die Schäden, die sie dabei erleben?
  • Und was meint Marx eigentlich mit „notwendig falschem Bewusstsein“?

Diskussion am Dienstag, 8. Mai 2012, 20:00 Uhr
im AJZ-Bielefeld (Kino), Heeper Straße 132

Klassen – Kämpfe – Kommunismus

Podiumsdiskussion mit Peter Decker und Michael Heinrich

Thesenpapier von Peter Decker

25.04.2012 – 19:00 Uhr
Universität Bielefeld, Hörsaal 12

Info unter: kritikundintervention.org

Das soziale Netzwerk Facebook – Die neue Heimat des bürgerlichen Individuums

Bei seinen Mitgliedern ist das soziale Netzwerk Facebook extrem beliebt: 850 Millionen User weltweit machen die Website zu einer der meistbesuchten im Netz. Zu welchem Zweck man die von Facebook im Netz installierte Plattform verwendet, bleibt im Prinzip ihrem Nutzer überlassen. Man kann sie bloß für die private Kommunikation benutzen oder als Mittel dafür, ein gemeinsames Interesse mit Gleichgesinnten zu pflegen. So ein harmloser Gebrauch der Website grenzt allerdings an deren Missbrauch: Von den Facebook-Machern konzipiert und entsprechend gestaltet, ist sie für eine Veranstaltung anderer Art; und für die wird sie – von ihren Nutzern genau richtig verstanden – tagtäglich millionenfach aufgerufen: Der Privatmensch User erstellt ein Profil. Das ist für sich schon ein Programm: Er macht sich zur öffentlichen Person und präsentiert sich der Welt. Er teilt mit, was immer er zur Darstellung seiner selbst für mitteilenswert hält: Welchen Aktivitäten und Interessen er nachgeht, ob er ein Fan von bestimmten Sportvereinen oder Schauspielern ist, seine Lieblingssänger und Leibgerichte, nicht zu vergessen sein „Beziehungsstatus“ – das alles kann und soll in so ein Profil hinein. Ob er tatsächlich Interessantes mitzuteilen hat, spielt überhaupt keine Rolle. Es kommt nur darauf an, dass er etwas mitzuteilen hat. Die aufgezählten Interessen sollen den, der sie hat, selber interessant machen – weil er sie hat und weil er es ist, der sie hat. Damit das sorgfältig entworfene Bild von der eigenen Persönlichkeit dann auch entsprechend gewürdigt werden kann, wird die große virtuelle Facebook-Gemeinde zur Betrachtung und Wertschätzung eingeladen.

Warum dieses digitale Zentralorgan für Selbstdarstellung so total in ist, soll auf unserem Diskussionstermin besprochen werden.

Dienstag, 10. April 2012, 19.00 Uhr
im AJZ (Kinosaal), Heeper Str. 132 in Bielefeld

Politik und Medien agitieren sich den Bürger für die staatliche Krisenpolitik zurecht:

Wie das Volk geistig die Krise bewältigen soll, für die es praktisch in Haftung genommen wird!

  • „Die Maßnahmen der Regierung sind alternativlos!“
  • „Der Euro muss unbedingt gerettet werden!“
  • „Die Krise hat viele Schuldige: finanzkapitalistische Zocker, unverantwortliche Staatshaushälter und – letztlich – unser aller Anspruchsdenken!“
  • „Die Hauptschuld an der Euro-Krise tragen die anderen: faule Völker bringen die fleißigen und anständigen in Gefahr!“
  • „Helfen müssen wir ihnen trotzdem, aus Eigeninteresse!“
  • „Aber zu bestellen haben die Griechen dabei nichts. Eine Volksabstimmung – das wäre eine Katastrophe!“
  • „Ohne Europa gibt es keinen Frieden!“

Diskussionstermin der AG Analyse & Kritik

Dienstag, 13. März 2012, 19.00 Uhr
im AJZ (Kinosaal), Heeper Str. 132 in Bielefeld