Archiv für November 2013

Was man bei Marx lernen kann:

Alles Nötige über
Arbeit und Reichtum im Kapitalismus

Der Kapitalismus, der heute Marktwirtschaft heißt, zeichnet sich durch eine Reihe paradoxer Phänomene aus, die Fragen aufwerfen:

  • Alles, was man zum Leben benötigt oder haben möchte, gibt es reichlich. Man muss es nur kaufen. Kommt damit jeder Mensch an die Mittel, die er zum Leben braucht? Im Gegenteil. Für viele Menschen stellt sich das Kaufen-Müssen als unüberwindliche Hürde für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse dar. Gleichzeitig landen Produkte im Müll, weil sie keinen Käufer gefunden haben. Wofür werden die Dinge dann eigentlich produziert, wenn sie eher vernichtet, als ohne Bezahlung rausgerückt werden?
  • Seit Jahrzehnten wächst die Wirtschaft. Wird deshalb die Armut weniger? Im Gegenteil. Millionen Beschäftigte können vom Lohn, den sie für ihre Arbeit bekommen, nicht leben und müssen mit staatlichen Almosen ihr Leben fristen. Von Menschen ohne Job gar nicht zu reden. Was für eine Sorte Reichtum wächst denn da eigentlich – und bei wem?
  • Auch die Produktivität nimmt kontinuierlich weiter zu. Wird deshalb die Arbeit weniger und bleibt mehr Zeit für den Genuss der Produkte? Im Gegenteil. Für viele bedeutet der technische Fortschritt, dass sie ihren Job verlieren und keinen Lohn mehr bekommen, mit dem sie sich die Sachen kaufen könnten, die in immer kürzerer Zeit produziert werden. Für die, die weiterarbeiten dürfen, wird die Arbeitszeit aber auch nicht kürzer. Wofür ist dann die dauernde Produktivkraftsteigerung gut?
  • Die Natur ist die allgemeine Lebensgrundlage. Wird sie deshalb sorgsam behandelt? Im Gegenteil. Die Zerstörung infolge der kapitalistischen Produktion geht immer weiter voran. Inzwischen ist die Natur nicht nur lokal, sondern global geschädigt – Stichwort Klimawandel. Warum wird die Natur als eine der „Springquellen alles Reichtums“ (Marx) eigentlich so rücksichtslos kaputt gemacht?

Diese Phänomene sind nicht neu, sie begleiten den Kapitalismus schon seit seinen Anfängen. Vor 150 Jahren hat Marx sich deshalb daran gemacht, die Gesetzmäßigkeiten dieser Wirtschaftsweise zu analysieren und aufzuschreiben. Dabei ist er zu der Erkenntnis gelangt, dass im Kapitalismus die unaufhörliche Vermehrung des Geldes der beherrschende Zweck ist, für den gearbeitet wird; die arbeitenden Menschen Kostenfaktoren sind, weshalb an ihrem Lohn, den sie für ihren Lebensunterhalt brauchen, gespart wird; die Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit, der größten Quelle des materiellen Reichtums, ausschließlich stattfindet, um Löhne zu sparen, indem Arbeitskräfte überflüssig gemacht werden – also um den Arbeiter ärmer zu machen.

Seit Marx‘ Zeiten hat sich am Kapitalismus im Wesentlichen nichts geändert. Deshalb verdient es der längst verblichene Denker, dass man sich seiner erinnert. Seine Bücher helfen, die ökonomische Wirklichkeit von heute zu erklären. Das soll anhand von Zitaten aus dem ersten Band von „Das Kapital“ gezeigt werden. Angeboten werden Erklärungen über Zweck und Eigenheiten einer Produktionsweise, die Lebensmittel als Waren produziert, an die man nur herankommt, wenn man genug Geld hat; über den Reichtum in Gestalt des Geldes, und warum der unaufhörlich wachsen muss; über die Arbeit, deren Zweck die Produktion von geldwerten Waren ist und nicht das möglichst gute Leben derer, die sie verrichten; über einen Reichtum, dessen Wachstum die Armut nicht beseitigt, sondern voraussetzt, benutzt und vergrößert. Erklärt werden sollen die Gegensätze, die diese Gesellschaft prägen.

Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo Wentzke (Redaktion GegenStandpunkt)

Dienstag, 19.11.2013, 19:00 Uhr
Universität Bielefeld, H9