Über den alltäglichen Rassismus der Demokratie

Hinweis auf einen Vortrag im Rahmen des festival contre le racisme:

Wenn Neofaschisten ihr Deutschland den Deutschen, Ausländer raus! skandieren, weiß jedermann sofort, dass da Rassisten am Werk sind. Deshalb hat es für viele auch nichts mit Rassismus zu tun, wenn gute Demokraten im Staatsvolk „geborene Kriminelle“ und „geborene Führerpersönlichkeiten“ entdecken oder wenn das Volk per schulischer Auslese nach „Hochbegabten“ und „Unbegabten“ sortiert wird. All das fängt schon früh an: Kinder lernen in der Schule Toleranz gegenüber Fremden und dass „Ausländer auch Menschen“ sind. Wenn sie groß sind bekennen sie dann ganz unschuldig, dass sie eigentlich nichts gegen Ausländer haben – und registrieren nicht, dass sie selbst damit noch Partei nehmen für eine Sorte Menschensortierung, die es in sich hat.

Die Berufung auf die Menschennatur hat auch in der Demokratie Konjunktur. Nach wie vor ist es üblich, Menschen für politische und ökonomische Zwecke zu sortieren und dies dann ihnen selbst und ihren angeblichen Eigenarten anzulasten. Natürlich ist das nicht der Rassismus der Sklavenhaltergesellschaft oder des Nationalsozialismus! Doch wird durch solche Vergleiche der alltägliche Rassismus von heute auch nicht freundlicher.

Referent: Prof. Dr. Freerk Huisken

Dienstag, 05.06.2012, 18:00 Uhr
Audimin, Universität Bielefeld