Archiv für März 2012

Das soziale Netzwerk Facebook – Die neue Heimat des bürgerlichen Individuums

Bei seinen Mitgliedern ist das soziale Netzwerk Facebook extrem beliebt: 850 Millionen User weltweit machen die Website zu einer der meistbesuchten im Netz. Zu welchem Zweck man die von Facebook im Netz installierte Plattform verwendet, bleibt im Prinzip ihrem Nutzer überlassen. Man kann sie bloß für die private Kommunikation benutzen oder als Mittel dafür, ein gemeinsames Interesse mit Gleichgesinnten zu pflegen. So ein harmloser Gebrauch der Website grenzt allerdings an deren Missbrauch: Von den Facebook-Machern konzipiert und entsprechend gestaltet, ist sie für eine Veranstaltung anderer Art; und für die wird sie – von ihren Nutzern genau richtig verstanden – tagtäglich millionenfach aufgerufen: Der Privatmensch User erstellt ein Profil. Das ist für sich schon ein Programm: Er macht sich zur öffentlichen Person und präsentiert sich der Welt. Er teilt mit, was immer er zur Darstellung seiner selbst für mitteilenswert hält: Welchen Aktivitäten und Interessen er nachgeht, ob er ein Fan von bestimmten Sportvereinen oder Schauspielern ist, seine Lieblingssänger und Leibgerichte, nicht zu vergessen sein „Beziehungsstatus“ – das alles kann und soll in so ein Profil hinein. Ob er tatsächlich Interessantes mitzuteilen hat, spielt überhaupt keine Rolle. Es kommt nur darauf an, dass er etwas mitzuteilen hat. Die aufgezählten Interessen sollen den, der sie hat, selber interessant machen – weil er sie hat und weil er es ist, der sie hat. Damit das sorgfältig entworfene Bild von der eigenen Persönlichkeit dann auch entsprechend gewürdigt werden kann, wird die große virtuelle Facebook-Gemeinde zur Betrachtung und Wertschätzung eingeladen.

Warum dieses digitale Zentralorgan für Selbstdarstellung so total in ist, soll auf unserem Diskussionstermin besprochen werden.

Dienstag, 10. April 2012, 19.00 Uhr
im AJZ (Kinosaal), Heeper Str. 132 in Bielefeld

Politik und Medien agitieren sich den Bürger für die staatliche Krisenpolitik zurecht:

Wie das Volk geistig die Krise bewältigen soll, für die es praktisch in Haftung genommen wird!

  • „Die Maßnahmen der Regierung sind alternativlos!“
  • „Der Euro muss unbedingt gerettet werden!“
  • „Die Krise hat viele Schuldige: finanzkapitalistische Zocker, unverantwortliche Staatshaushälter und – letztlich – unser aller Anspruchsdenken!“
  • „Die Hauptschuld an der Euro-Krise tragen die anderen: faule Völker bringen die fleißigen und anständigen in Gefahr!“
  • „Helfen müssen wir ihnen trotzdem, aus Eigeninteresse!“
  • „Aber zu bestellen haben die Griechen dabei nichts. Eine Volksabstimmung – das wäre eine Katastrophe!“
  • „Ohne Europa gibt es keinen Frieden!“

Diskussionstermin der AG Analyse & Kritik

Dienstag, 13. März 2012, 19.00 Uhr
im AJZ (Kinosaal), Heeper Str. 132 in Bielefeld