„Das Kapital“ von Karl Marx

Warum man im Jahr 2011 noch das „Kapital“ lesen sollte

Es war einmal vor langer Zeit,
da hat sich einer eingehend Gedanken über eine Produktionsweise namens Kapitalismus gemacht und sie in einem dicken Buch mit dem Titel „Das KAPITAL. Kritik der Politischen Ökonomie“ niedergeschrieben. Dort ist vieles über Geld, Gewinn, Lohn, Kredit und manches mehr, was den Kapitalismus so ausmacht, zu lesen. Wie gesagt, das ist schon lange her.

Damals…

… wurde der Reichtum der Gesellschaft in der Form von Waren produziert. Die hatten alle einen Preis, der bezahlt werden musste, wenn man die Ware erstehen wollte. So waren alle Bedürfnisses erst einmal recht wirksam vom Zugriff auf die Güter getrennt und jeder gezwungen, über ausreichend Geld zu verfügen, um sich sein Leben einzurichten. Also musste jeder auch eine Geldquelle auftun, um seinen Anteil am produzierten Reichtum zu erwischen und über die Runden zu kommen. Dabei waren alle frei und gleich.

…hatten viele nichts als ihre Arbeitskraft, um das nötige Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die mussten sich nach einem Geldbesitzer umschauen, der einen Bedarf nach dieser altmodischen Ware hatte und sie kaufte. Von denen gab es auch welche, die hießen Kapitalisten. Sie hatten genug Geld, mit dem sie nicht nur Fabriken und Maschinen erstanden, sondern auch die Arbeitskraft der Arbeiter, über die sie nun für eine bestimmte Zeit das Kommando hatten.

…blieben die meisten Arbeiter ein ganzes Leben lang vom Lohn abhängig, den ihnen ein Kapitalist bezahlte. Manchmal änderte sich ihr Lebensschicksal aber auch rapide und grundlegend. Bisweilen ergab es sich nämlich, dass sie an den immer moderner werdenden Arbeitsplätzen überflüssig wurden, wenn zum Beispiel neue Maschinen vom Kapitalisten angeschafft wurden. Mit diesen Maschinen die Mühen der Arbeit leichter zu machen und die Arbeitszeit verkürzen, wäre nicht der Sinn der Sache gewesen und fiel auch keinem ein. Maschinen waren einfach kostengünstiger als der Lohn, also rentierte sich dessen Bezahlung ab sofort nicht mehr und mancher Lohnabhängige wurde aufs Pflaster geworfen. Bei ihrer Suche nach einem neuen Arbeitsplatz hatten sie jetzt viel Zeit, einige blieben aber auch lebenslang von der Mildtätigkeit der Sozialfürsorge abhängig.

…musste die verbliebene Belegschaft nicht nur das Arbeitspensum der Entlassenen bewältigen. Die neuen Maschinen erlaubten es auch, mehr aufs Arbeitstempo zu drücken. Möglichst lange und viel musste gearbeitet werden, im Bedarfsfall auch über die geregelte Arbeitszeit hinaus. Fertigungsstraßen, Maschinentakt und Gruppendruck sorgten dafür, dass jede Sekunde der Arbeitszeit mit Arbeit ausgefüllt war und die Leistungsvorgaben des Betriebs erfüllt wurden. Und weil der Lohn ein Faktor war, der in die Rechnung des Kapitalisten als Kosten einging, war er immer zu hoch und wurde mit allen Raffinessen gedrückt. So wurde die Arbeit rentabel gemacht.

…stand alles Arbeiten unter dem Diktat des Gewinns und seiner Maximierung. Mit diesem Zweck verausgabten die Kapitalisten ja ihr Geld und ließen es arbeiten, damit es sich vermehrt. Und am Grad seiner Vermehrung maßen sie den Erfolg des eingesetzten Kapitals. Das wurde bald zum gesellschaftlichen Maßstab, von dem ganze Gesellschaften abhängig wurden. Für diese Produktionsweise bürgerte sich der Name Kapitalismus ein und in ihr entwickelte sich der Gegensatz von Reichtum und Armut auf immer höherer Stufenleiter. Und mit dem Kapitalismus blühte auch ein Haufen mehr oder weniger gelehrter Ideologien auf, die Geld, Lohn, Gewinn, Kredit und alles, was das kapitalistische Geschäft sonst noch ausmacht, für natürliche und sinnreiche Einrichtungen des gesellschaftlichen Produzierens hielten.

Wie gesagt, das war damals.

Von all dem kann in unserer globalisierten Marktwirtschaft ja keine Rede mehr sein. Oder vielleicht doch, aber ein bisschen anders? Man ahnt: Wer sich nicht nur eine schlechte Meinung über „Schattenseiten“ und „Auswüchse“ des Kapitalismus moderner Machart halten will, sondern Aufschluss sucht, wie er beschaffen ist und funktioniert, der kommt um die Auseinandersetzung mit den Erklärungen von Marx nicht herum. Gelegenheit dazu bietet – mit fachkundiger Hilfe – der Studien- und Diskussionskreis zum „KAPITAL“.

Lektüre: Karl Marx, Das Kapital, Band 1, Marx-Engels-Werke 23, Dietz Verlag.

Studien- und Diskussionskreis
ab So. 6. Februar 2011, 16.00 Uhr
im AJZ (Kinosaal), Heeper Str. 132 in Bielefeld


1 Antwort auf “„Das Kapital“ von Karl Marx”


  1. 1 contradictio.de » Veranstaltungen » ab 16.01.11 | Bielefeld | Studien- und Diskussionskreis “Das Kapital“ von Karl Marx Pingback am 10. Januar 2011 um 17:39 Uhr
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