Thilo Sarrazin, seine Kritiker und die ‚Integrationspolitik‘

„Deutschland schafft sich ab!“ – der Titel seines neuesten Hits fast die Sorge zusammen, die ein Mitglied der deutschen Elite wie Thilo Sarrazin so umtreibt: Er schaut sich in den Städten um – und was entdeckt er? Einen Haufen an Menschen, die vom kapitalistischen Getriebe auf Dauer ausgespuckt und vom Staat auf Hartz IV festgelegt sind. Deren erbärmliche Lage fällt ihm nicht auf, weil er sie für unerträglich und korrekturbedürftig hält – das Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank a.D. hat ja selbst haarklein ausgerechnet, was für eine abwechslungsreiche Existenz sich mit 350,- € aufziehen lässt. Die Zumutung, die er ausmacht, liegt nicht in den einschlägigen Lebensumständen einer „breiten Unterschicht“, sondern darin, dass viele sich nicht nützlich machen und dabei und trotzdem noch von „Transferleistungen“ leben – so lässt sich kein ordentlicher und erfolgreicher Staat machen!

Aus der Perspektive der Machtelite widmet er sich den unteren Volksteilen, mustert sie nach ihrem nützlichen Dienst für Staat und Wirtschaft durch und sortiert zwischen mehr und weniger tauglichen Völkerschaften, die sich im deutschen Gemeinwesen so tummeln. Dass vor diesem Maßstab der Brauchbarkeit der menschlichen Manövriermasse für die selbstredend gute Sache des Staats ganze Bevölkerungsteile versagen, macht der Mann ihnen zum Vorwurf – und entdeckt das als völkische Identität an den Aussortierten: Die sind so! heißt die interessierte Festlegung: nämlich mit lauter ihnen eigenen Defekten behaftet, die eine nützliche An- und Einpassung, sprich: Integration in das deutsche Gemeinwesen einfach nicht zulassen.

Damit eckt dieser Typ nirgends an: Allen Kritikern ist der grundlegende Rassismus der politischen Sortierung der zugewanderten Menschheit überaus geläufig und so selbstverständlich, dass alle – von den Grünen bis zu türkischen Karrierefrauen – bei ihren Skandalrufen dem Mann fünf Mal bescheinigen, dass er die „Missstände und Probleme“ deutscher Ausländer- und Integrationspolitik in Prinzip und Detail zutreffend zum Thema gemacht habe. Worüber regen sie sich dann auf? „So darf man das aber nicht sagen!“ heißt der Mahnruf der öffentlichen Aufseher. Sie meinen damit nicht die elitäre und gemeine Sache: den bevölkerungspolitischen Standpunkt und das Interesse an der Organisation eines brauchbaren Volks für den Staat, sondern die anstandshalber gebotenen Sprachregelungen, mit denen die „Würde“ der Zugewanderten gewahrt bleibt, während ihnen die Besichtigung und Behandlung als besonderer Problemfälle und unerwünschter Ausschuss tagtäglich vor Augen geführt wird.

Wenn der feine Herr Sarrazin dann in seinem missionarischen Eifer mit der Logik des Rassismus überhaupt nicht bricht, indem er seine völkische Ordnung der eingewanderten Volksteile und ihrer „Intelligenz“ mit einer natürlichen Vorbestimmungen durch „Gene“ unterlegt, dann wird „Rassismus!“ geschrien und eine „rote Linie“ ist überschritten: Wenn das „Ansehen Deutschlands beschädigt“ wird, wo Staat und Nation (nicht die ausgemusterten Türken und Muslime) zum Opfer werden, da hört das Verständnis irgendwie auf… um diesseits der „roten Linie“ gleich wieder einzusetzen: Man erinnert sich daran, dass Thilo Sarrazin keine Einzelstimme ist, sondern quer durchs deutsche Wählervolk massive Zustimmung genießt – und mit dem ist man ja einig, dass…

PS: Jetzt haben ihn seine Kumpane aus der politischen Elite aus dem hohen Amt geschasst: Thilo Sarrazin ist durch den Entscheid der Regierung selbst ein bisschen zum Schädling an Deutschland geworden, dem er so eifrig dienen wollte mit der Warnung vor zunehmender Überfremdung durch unwerte Völkerscharen. Mag sein, dass der geächtete Rassismus damit offiziell ins Abseits gestellt wurde: Der seriöse und praktizierte Rassismus der deutschen Demokratie lebt munter in der Integrationspolitik fort, von der jetzt allseits gefordert wird, dass Ein- und Ausgemeindung der fragwürdigen Zuwanderer rigider und effektiver zu regeln ist. Was nicht nur die Ansichten des Herrn Sarrazin und die Bedenken seiner Kritiker, sondern auch die offizielle „Integrationspolitik“ so unangenehm macht, soll auf unserem Diskussionstermin besprochen werden.

am Dienstag, 9. November 2010, 19.00 Uhr
im AJZ (Kinosaal), Heeper Str. 132 in Bielefeld.


2 Antworten auf “Thilo Sarrazin, seine Kritiker und die ‚Integrationspolitik‘”


  1. 1 contradictio.de » Veranstaltungen » 09.11.10 | Bielefeld | Thilo Sarrazin, seine Kritiker und die “Integrationspolitik” Pingback am 01. November 2010 um 1:33 Uhr
  2. 2 Imigrantu matrica. « Pingback am 05. November 2010 um 16:59 Uhr
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