Argumente gegen die Feier der sozialen Marktwirtschaft und die Hoffnung auf den Staat

Die Wirtschaft in der Krise: Da haben Volksverdummung und Nationalismus Hochkonjunktur. Kapitalismuskritik ist angesagt – aber was für eine! Alles, was dem Publikum als Kritik an „entgleisten“ Verhältnissen geboten wird, ist eine Anleitung zur Parteinahme für eben diese Verhältnisse; die Krise des Finanzkapitals gerät zur Werbung für das System, aus dem sie hervorgeht. Dessen lohnabhängigem Fußvolk wird die Absurdität zugemutet, wegen der geplatzten Geschäfte im Finanzgewerbe und deren Konsequenzen auf Industrie, Konsum & Arbeitsmarkt für ein neues Gelingen der Geschäfte in allen kapitalistischen Gewerben zu sein; alle systemgemäß fälligen Gemeinheiten soll es sich in dem Sinne gefallen lassen, weiter unter dem und für das Regime des Geldes arbeiten oder ohne Arbeit brav und unauffällig herumsumpfen. Eine Meinungsbildung mit fatalen praktischen Folgen!

  • Schuldfrage (1): Profitgierige Banker produzieren eine Blase und ruinieren „unser“ Finanzsystem. Das Opfer: Unsere schöne „Realwirtschaft“.
  • Schuldfrage (2): Amerikanische Immobilien- und Finanzkrise ergreift Europa, ein US-Konzern will seine Pleite auf dem Rücken deutscher Wertarbeiter austragen. Das Opfer: Wir Sparer, wir Finanzminister, wir Opelaner…
  • Der letzte Hoffnungsträger: die eigene Herrschaft. Die Politik soll Banken, Wirtschaft und Standorte retten = Sparern, Beschäftigten und Verbrauchern helfen.

Die Produktivkraft dieser geistigen Krisenbewältigung fürs praktische Mitmachen der Leute schätzt und fördert die Staatsmacht über alle Maßen. Ein Volk, das sich für diese patriotischen Schuldfragen einnehmen lässt, hofft auf die Rückkehr zu einem „normalen“, erfolgreichen Kapitalismus und ist als Manövriermasse internationaler Standortkonkurrenz gut zu gebrauchen.

Auf der Veranstaltung soll diskutiert werden,

  • warum es verkehrt ist, sich in die Schuldfrage einzumischen, wer unseren Kapitalismus in die Krise gewirtschaftet hat, und den Kopf zu zerbrechen, wie „wir“ da wieder herauskommen;
  • warum es den lohnabhängigen Statisten der Marktwirtschaft nur schadet, auf den Erhalt „ihres“ Arbeitsplatzes, die Rettung „ihrer“ Firma und den Aufschwung „ihrer“ Wirtschaft zu setzen;
  • warum sie mit ihren Sorgen bei der eigenen Herrschaft immerzu an der falschen Adresse sind und sich absolut keinen Gefallen tun, wenn sie sich den Sorgen ihrer nationalen Führer in der globalen Standortkonkurrenz anschließen.

Diskussionstermin der AG Analyse und Kritik
Dienstag, 5.5.2009, 19.00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz, Rolandstr. 16, Bielefeld (Stadtplan)


2 Antworten auf “Argumente gegen die Feier der sozialen Marktwirtschaft und die Hoffnung auf den Staat”


  1. 1 Argumente gegen die Feier der sozialen Marktwirtschaft und die Hoffnung auf den Staat « Reich und Schön Pingback am 01. Mai 2009 um 22:32 Uhr
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