Olympia 2008:

China disqualifiziert – in Menschenrechtsfragen!

Religiöser Fundamentalismus und ein separatistischer Aufstand,
wie wir ihn mögen:

Tibet gut, China böse!

Der erste große Sieg der Olympischen Spiele 2008 steht fest, lange bevor sie begonnen haben: Die Welt stellt China an den Pranger! Seit fromme und weniger fromme Bewohner auf dem Dach der Welt gegen die Staatszentrale in Peking protestieren und dabei hart zurückgewiesen werden, scheint die Sympathie im Ausland für einen Aufstand, der sich religiös und kulturell inspiriert vorträgt und auf Autonomie zielt, keine Grenzen zu kennen.

So viel Anteilnahme erfährt nicht jeder militante Protest. Die Palästinenser im Gazastreifen oder Globalisierungskritiker in Heiligendamm bekommen nicht annähernd so gute Noten wie die tibetischen Demonstranten, obwohl auch in ihrem Fall die zuständige Ordnungsmacht mit Militär oder Polizeitruppen ihren Frieden erzwingt. Dass bei den tibetischen Mönchen deren religiöse Gesinnung ihre politische Militanz adelt, das versteht sich für die Welt von Washington bis Wanne-Eickel von selbst – auch da macht sie eine Ausnahme von ihrer sonstigen Praxis: Der iranische Religionsführer Chomeini und seine Nachfolger haben auch ihre religiöse Mission; die rechtfertigt seine Politik im Namen der Religion überhaupt nicht, sondern diese wird als aggressiver religiöser Fundamentalismus gebrandmarkt. Gefährliche, der Unterdrückung würdige Religiosität wittert Otto Normalverbraucher, wo immer ein muslimischer Kirchturm für seinen Geschmack zu hoch ausfällt; an tibetanischen Gebetsfahnen kann er sich gar nicht satt sehen. Und das Ziel der Unruhen in Tibet, die Autonomie? So etwas kann unser Europa bei Basken oder Korsen gar nicht leiden; in Deutschland kommt die Anerkennung ethnischer Minderheiten – Parallelgesellschaften drohen da – schon gleich überhaupt nicht in Frage. Den Tibetern dagegen drückt man die Daumen und hilft, so gut es geht, nicht nur im Hintergrund.

Das Projekt, bettelarme fromme Bauern in Tibet und Bettelmönche, die sich von ihnen aushalten lassen, mit einer eigenen Herrschaft, wenigstens aber einer Vorstufe davon zu beglücken, bezieht seine Sympathien nicht aus dem tibetischen Aufstand, sondern aus dem Gegner, auf den er trifft, China. Da stellen sich ein paar Fragen, die der Vortrag beantworten soll:

1. Was haben die etablierten Weltmächte gegen das Reich der Mitte, in dem ihre Unternehmen so fleißig investieren und so gut verdienen?

2. Was hat es auf sich mit den Menschenrechten, die angeblich alle Menschen brauchen, die in China aber missachtet werden, deren Hüter schließlich „WIR“, die großen Mächte des Westens, sind? Was ist genau der Gehalt dieser berühmten Rechte, die Deutschland, die EU, die NATO und natürlich die USA den Völkern der Welt schenken und in deren Namen sie die Regierungen der Welt beaufsichtigen wollen?

3. Was hat das alles mit dem Sport und Olympia zu tun?

Diskussionstermin der AG Analyse und Kritik
Dienstag, 17.06.2008, 19.00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz (Raum 07), Rolandstr. 16, Bielefeld (Stadtplan)