Archiv für Mai 2008

Olympia 2008:

China disqualifiziert – in Menschenrechtsfragen!

Religiöser Fundamentalismus und ein separatistischer Aufstand,
wie wir ihn mögen:

Tibet gut, China böse!

Der erste große Sieg der Olympischen Spiele 2008 steht fest, lange bevor sie begonnen haben: Die Welt stellt China an den Pranger! Seit fromme und weniger fromme Bewohner auf dem Dach der Welt gegen die Staatszentrale in Peking protestieren und dabei hart zurückgewiesen werden, scheint die Sympathie im Ausland für einen Aufstand, der sich religiös und kulturell inspiriert vorträgt und auf Autonomie zielt, keine Grenzen zu kennen.

So viel Anteilnahme erfährt nicht jeder militante Protest. Die Palästinenser im Gazastreifen oder Globalisierungskritiker in Heiligendamm bekommen nicht annähernd so gute Noten wie die tibetischen Demonstranten, obwohl auch in ihrem Fall die zuständige Ordnungsmacht mit Militär oder Polizeitruppen ihren Frieden erzwingt. Dass bei den tibetischen Mönchen deren religiöse Gesinnung ihre politische Militanz adelt, das versteht sich für die Welt von Washington bis Wanne-Eickel von selbst – auch da macht sie eine Ausnahme von ihrer sonstigen Praxis: Der iranische Religionsführer Chomeini und seine Nachfolger haben auch ihre religiöse Mission; die rechtfertigt seine Politik im Namen der Religion überhaupt nicht, sondern diese wird als aggressiver religiöser Fundamentalismus gebrandmarkt. Gefährliche, der Unterdrückung würdige Religiosität wittert Otto Normalverbraucher, wo immer ein muslimischer Kirchturm für seinen Geschmack zu hoch ausfällt; an tibetanischen Gebetsfahnen kann er sich gar nicht satt sehen. Und das Ziel der Unruhen in Tibet, die Autonomie? So etwas kann unser Europa bei Basken oder Korsen gar nicht leiden; in Deutschland kommt die Anerkennung ethnischer Minderheiten – Parallelgesellschaften drohen da – schon gleich überhaupt nicht in Frage. Den Tibetern dagegen drückt man die Daumen und hilft, so gut es geht, nicht nur im Hintergrund.

Das Projekt, bettelarme fromme Bauern in Tibet und Bettelmönche, die sich von ihnen aushalten lassen, mit einer eigenen Herrschaft, wenigstens aber einer Vorstufe davon zu beglücken, bezieht seine Sympathien nicht aus dem tibetischen Aufstand, sondern aus dem Gegner, auf den er trifft, China. Da stellen sich ein paar Fragen, die der Vortrag beantworten soll:

1. Was haben die etablierten Weltmächte gegen das Reich der Mitte, in dem ihre Unternehmen so fleißig investieren und so gut verdienen?

2. Was hat es auf sich mit den Menschenrechten, die angeblich alle Menschen brauchen, die in China aber missachtet werden, deren Hüter schließlich „WIR“, die großen Mächte des Westens, sind? Was ist genau der Gehalt dieser berühmten Rechte, die Deutschland, die EU, die NATO und natürlich die USA den Völkern der Welt schenken und in deren Namen sie die Regierungen der Welt beaufsichtigen wollen?

3. Was hat das alles mit dem Sport und Olympia zu tun?

Diskussionstermin der AG Analyse und Kritik
Dienstag, 17.06.2008, 19.00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz (Raum 07), Rolandstr. 16, Bielefeld (Stadtplan)

Topgehälter und Niedriglöhne: Warum verdienen Arbeiter so wenig und Manager so viel?

„Die Menschen müssen innerhalb der Gesellschaft Gerechtigkeit erkennen. Deshalb müssen wir über eine gerechtfertigte Bezahlung sprechen und dabei nicht nur die Niedrigverdiener beachten. Auch bei Topverdienern muss man auf gerechte Löhne achten.“ (Merkel)

Ende 2007 erhalten die Debatte um Billiglöhne und die Notwendigkeit eines Mindestlohns sowie Berichte über Gewinnsteigerungen von Unternehmen interessante Gesellschaft: Meldungen von exorbitanten Managergehältern sehen sich mit der kritischen Nachfrage konfrontiert, ob es in unserer Gesellschaft eigentlich noch gerecht zugeht. Diejenigen, die sich so zu Wort melden, sind Spitzenpolitiker, die ansonsten einen Großteil ihrer schöpferischen Kraft auf die Herstellung wettbewerbsfähiger Standortbedingungen verwenden, also große Sympathie für niedrige Löhne und bescheidene Arbeitsplatzbesitzer einerseits, hohe Gewinne, stattliche Dividenden und zufriedene Manager andererseits hegen. Der Verdacht, es gehe den Wortführern des Disputs um eine materielle Besserstellung der Bezieher von Billiglöhnen, womöglich um eine Umverteilung von Oben nach Unten, kommt deshalb gar nicht erst auf. Wo die freie Presse eine Gerechtigkeitslücke ins Bewusstsein hebt: Da soll sich der lohnabhängige Teil des Volkes über die menschliche Verkommenheit von ‚denen da oben‘ ereifern; und ein riesiger Steuerhinterziehungs-Skandal heizt die Stimmung weiter an: Vom Anstand und Gemeinnutz der braven Leute könnten die Zumwinkels, Ackermänner und Nokias der Nation sich eine Scheibe abschneiden…

Die Normalverdiener verstehen das aufgeworfene Thema leider im Sinne des Erfinders. Auch sie können das Verhältnis von Lohn und Leistung ganz getrennt von dem thematisieren, was sie selber so an Lohn brauchen und am Ende des Monats wirklich in der Tasche haben. Das Wissen um den nicht ganz kleinen Unterschied – der Manager macht sich in der Chefetage um die kostengünstige Organisation des Produktionsablaufs verdient und kassiert dafür ein sattes Grundgehalt, Gewinnbeteiligung und Aktienoptionen; andere verausgaben an so ein- und hergerichteten Arbeitsplätzen, am Fließband oder dem Schweißroboter, gegen Lohn ihre Arbeitskraft – ist für Lohnabhängige und HartzIVler kein Anlass zu fragen, warum das so ist. Deutsche Arbeitnehmer halten die Frage, ob einer zu Recht verdient, was er verdient, selber für die einzig interessante und widmen sich dem Vergleich von Einkommen, die an ganz extremen Stellen der Hierarchie von Oben und Unten verdient werden: Klar, dass Manager einen Haufen verdienen, aber haben es diese Herren nicht entschieden zu weit getrieben? Steht deren Verdienst überhaupt noch in irgendeinem Verhältnis zu ihrer Leistung? Wer so fragt, schiebt den großen Unterschied zwischen dem Lohnempfänger und dem Topmanager zur Seite; er hat eine Gemeinsamkeit ausfindig gemacht, die zwischen beiden einen Vergleich ermöglicht: Werden nicht beide – zwar unterschiedlich, aber dennoch – bezahlt? Und worin sonst hat diese Bezahlung ihr Kriterium, wenn nicht in der Leistung, die der eine wie der andere für die Firma erbringt, in dem sie beschäftigt sind? Diese Anschauung ist verkehrt:

Es gibt nämlich keinen Zusammenhang von Lohn und Leistung in dem Sinn, dass der Inhalt der Lohntüte die erbrachte Leistung entgilt. Die Lohnzahlung ist das eine, die Leistung, die in der Fabrik abzuliefern ist, eine ganz andere Sache. Die ist eben noch gar nicht zu Ende, wenn die Lohnhöhe sozusagen „abgearbeitet“ ist. Deshalb zeugt auch der schiere Formalismus, dass beide, Manager und Arbeiter, bezahlt werden, von keiner Gemeinsamkeit, der sie ihre Bezahlung verdanken. Einem Unternehmen geht es bei der Beschäftigung von Lohnarbeitern schließlich um einen fetten Gewinn, aus dem sich dann auch die Tantiemen abzweigen lassen, die der Manager als seinen Lohn bezieht. Dessen Tätigkeit zielt im Rahmen der betrieblichen Kalkulation auf einen Überschuss über die insgesamt verausgabten Kosten, zu denen dummerweise auch der Lohn für die beschäftigten Arbeiter zählt. Gegensätzlicher könnten daher die Standpunkte und Interessen nicht sein, mit denen sich die Funktionäre der Geschäftsleitung und die auf Lohnarbeit angewiesene Belegschaft gegenüberstehen. Der unternehmerische Anspruch an die Arbeiter – entweder absolut billiger zu werden oder relativ mehr leisten zu müssen – verträgt sich so gar nicht mit deren Interesse an Lohn als tauglichem Lebensmittel.

Warum es nötig ist, sich Rechenschaft abzulegen über den Grund dieser gegensätzlichen Ansprüche an den Lohn: Dafür möchten wir auf der Veranstaltung Argumente vortragen und zur Diskussion stellen. Und damit gegen die Unart polemisieren, über das Wälzen der Frage nach der Berechtigung von Managergehältern den Gegensatz von Kapital und Arbeit miteinander zu versöhnen. Deren Produktivkraft für den inneren Frieden und bessere Laune beim lohnarbeitenden Volk können wir nämlich gar nicht leiden.

Vortrag und Diskussion mit Manfred Freiling (Redaktion GegenStandpunkt)
Dienstag, 27. Mai 2008, 19:00 Uhr
Universität Bielefeld, Hörsaal 10 (Stadtplan, Raumplan)

gegeninformation NRW Nr. 3

gegeninformation NRW Nr. 3 / Frühjahr 2008 ist erschienen

Themen u.a.:
- Nokia – Eine patriotische Heul-Orgie besiegelt die Abwicklung
- Erdogan besucht unsere Türken – Falscher Nationalismus auf deutschem Boden!
- Tibet-Unruhen und Olympia 2008
- Lesetipp: GegenStandpunkt 1-08
- Veranstaltungshinweise

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