Lokführer kämpfen um Lohn und Arbeitszeit

– Die Republik steht Kopf: „Dürfen die das?“

Was ist geschehen? Eigentlich nichts Besonderes: Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL), Vertretung des Fahrpersonals bei der Bahn, stellt Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen. Nach Jahren der Lohnsenkung, der Verdichtung der Arbeit und der Ausdünnung der Belegschaft will sie die fortschreitende Schlechterstellung ihrer Mitglieder korrigieren und macht Anstalten, ihre Ansprüche auch durchzusetzen. Damit unternimmt die GDL dann doch etwas in diesem Land ganz und gar Unübliches und macht sich gleich alle ehrenwerten Instanzen der Nation zum Feind.

Was dürfen Gewerkschaften fordern? Wie haben sie ihre Forderungen zu vertreten? Wie weit dürfen sie mit Streikdrohungen gehen? Wo endet die Erlaubnis zum Arbeitskampf? Und wie soll überhaupt eine ordentliche Arbeitervertretung organisiert sein? Brauchen „wir“ Einheitsgewerkschaften nach Art des Deutschen Gewerkschaftsbunds oder sollen auch konkurrierende Berufsgewerkschaften zugelassen sein?

Grundsatzfragen dieses Kalibers wälzen Journalisten, Juristen und Politiker seit August im Wechsel von Streik, Streikverbot und „Mediation“. Wenn sie die Maßstäbe diskutieren, an denen sich das Fordern der arbeitenden Menschheit zu orientieren habe, berufen sie sich auf die höchsten Rechtsgüter und die eingeführten Sitten der deutschen Arbeitswelt, kurz: auf Deutschland und erinnern daran, daß die Vertretung von Arbeiterinteressen eine Sache der Genehmigung ist, über die höheren Orts und vom Standpunkt des nationalen Ganzen entschieden wird – und nicht von unzufriedenen Lokführern oder anderen betroffenen Arbeitnehmern.

Der noch gar nicht richtig in Gang gekommene Lohnkampf der GDL gerät dadurch zum Lehrstück:

- über das großartige Freiheitsrecht auf Streik
- über die Bedingungen, unter denen Arbeitnehmern das Fordern und Verhandeln erlaubt sein soll
- über die Mittel, mit denen nicht genehme Ansprüche und Durchsetzungsversuche bekämpft werden, kurz:
- darüber, wie unverträglich der Anspruch auf gute Löhne und erträgliche Arbeitszeiten mit den Interessen von Wirtschaft und Staat sind.

Diskussionstermin der AG Analyse und Kritik
Dienstag, 13. November 2007, 19.00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz (Raum 104), Rolandstr. 16, Bielefeld (Stadtplan)