Archiv für November 2007

Das Geld

Von den vielgepriesenen Leistungen des schnöden Mammons
Einige Wahrheiten über Ware, Geld und Kapital

Geld muss man nicht erklären, man muss es haben; das versteht sich von selbst für lebenskluge Zeitgenossen. Wenn es am Geld etwas zu erklären gibt, dann, wie man am besten an möglichst viel davon herankommt; denn: ohne Moos nix los!

Das ist fatal. Denn wer dem unausweichlichen Zwang, Geld zu verdienen, nur die Ermunterung entnimmt, ihm möglichst erfolgreich nachzukommen, der bleibt nicht nur in ein Zwangssystem der gesellschaftlichen Arbeitsteilung verstrickt, das ihm nicht wenig Sorgen aufnötigt. Der macht außerdem den gar nicht so unvermeidlichen Fehler, sich dazu kritiklos affirmativ zu stellen. Da helfen dann auch kein Ärger und keine Beschwerden mehr über den Stress beim Geldverdienen, über das wenig zufriedenstellende Resultat, über die hohen Preise, und überhaupt über das wenige Geld hier und den vielen Reichtum dort.

Wer sich das Geld nicht erklären will, soll über dessen ungleiche Verteilung nicht jammern. Umgekehrt: Wer nicht immer nur über die Sorgen mit dem Geld und seine ungerechte Verteilung klagen will, der sollte sich lieber das Geld und die mit ihm gültig gemachte ganz und gar nicht so vernünftige und sachnotwendige Produktionsweise erklären. Dazu will die Veranstaltung beitragen.

Vortrag und Diskussion mit Dr. Theo Wentzke1(Redaktion Gegenstandpunkt)
Mittwoch, den 28. November 2007, 19.00 Uhr
Universität Bielefeld, Hörsaal 3 (Stadtplan, Raumplan)

  1. Mitautor des soeben erschienenen Buchs:
    Wolfgang Möhl / Theo Wentzke: Das Geld. Von den vielgepriesenen Leistungen des schnöden Mammons.
    Gegenstandpunkt Verlag München, 162 Seiten, 15.– €, ISBN 978-3-929211-11-5

    In Bielefeld erhältlich bei:
    - Buchladen Eulenspiegel, Hagenbruchstr. 7
    - Buchhandlung in der Uni Benedikt Luce, Universitätsstr. 25
    - Thalia-Buchhandlung, Oberntorwall 23
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Lokführer kämpfen um Lohn und Arbeitszeit

– Die Republik steht Kopf: „Dürfen die das?“

Was ist geschehen? Eigentlich nichts Besonderes: Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL), Vertretung des Fahrpersonals bei der Bahn, stellt Forderungen nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen. Nach Jahren der Lohnsenkung, der Verdichtung der Arbeit und der Ausdünnung der Belegschaft will sie die fortschreitende Schlechterstellung ihrer Mitglieder korrigieren und macht Anstalten, ihre Ansprüche auch durchzusetzen. Damit unternimmt die GDL dann doch etwas in diesem Land ganz und gar Unübliches und macht sich gleich alle ehrenwerten Instanzen der Nation zum Feind.

Was dürfen Gewerkschaften fordern? Wie haben sie ihre Forderungen zu vertreten? Wie weit dürfen sie mit Streikdrohungen gehen? Wo endet die Erlaubnis zum Arbeitskampf? Und wie soll überhaupt eine ordentliche Arbeitervertretung organisiert sein? Brauchen „wir“ Einheitsgewerkschaften nach Art des Deutschen Gewerkschaftsbunds oder sollen auch konkurrierende Berufsgewerkschaften zugelassen sein?

Grundsatzfragen dieses Kalibers wälzen Journalisten, Juristen und Politiker seit August im Wechsel von Streik, Streikverbot und „Mediation“. Wenn sie die Maßstäbe diskutieren, an denen sich das Fordern der arbeitenden Menschheit zu orientieren habe, berufen sie sich auf die höchsten Rechtsgüter und die eingeführten Sitten der deutschen Arbeitswelt, kurz: auf Deutschland und erinnern daran, daß die Vertretung von Arbeiterinteressen eine Sache der Genehmigung ist, über die höheren Orts und vom Standpunkt des nationalen Ganzen entschieden wird – und nicht von unzufriedenen Lokführern oder anderen betroffenen Arbeitnehmern.

Der noch gar nicht richtig in Gang gekommene Lohnkampf der GDL gerät dadurch zum Lehrstück:

- über das großartige Freiheitsrecht auf Streik
- über die Bedingungen, unter denen Arbeitnehmern das Fordern und Verhandeln erlaubt sein soll
- über die Mittel, mit denen nicht genehme Ansprüche und Durchsetzungsversuche bekämpft werden, kurz:
- darüber, wie unverträglich der Anspruch auf gute Löhne und erträgliche Arbeitszeiten mit den Interessen von Wirtschaft und Staat sind.

Diskussionstermin der AG Analyse und Kritik
Dienstag, 13. November 2007, 19.00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz (Raum 104), Rolandstr. 16, Bielefeld (Stadtplan)