Aus- und Einbürgerung auf amerikanisch:

Null Toleranz für Illegale

Seit 9/11 behauptet Amerika, ein neues, modernes Einwanderungsgesetz zu brauchen, das seinen gewachsenen Sicherheitsinteressen Rechnung trägt. Ein solcher Vorschlag liegt jetzt im Senat vor.

In den USA halten sich mehrere Millionen Leute auf, die dies nach Recht und Gesetz eigentlich gar nicht dürfen.

Dass die es dahin gebracht haben, liegt nicht zuletzt am amerikanischen Staat und seinen Berechnungen bezüglich dieser jetzt zum dringlichen ‚Sicherheitsproblem’ erklärten Mannschaft. Diese illegalen Einwohner sind teilweise seit Jahrzehnten das absolut billige und willige Menschenmaterial ganzer Wirtschaftszweige, angefangen von der Landwirtschaft über das Dienstleistungsgewerbe bis hin zur Fleischverpackungsindustrie. Sie haben bisher den Standpunkt der Duldung „genossen“: D.h. sie dürfen Steuern zahlen, sogar Sozialeinrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen benutzen und zugleich stehen sie unter der ständigen Drohung, bei der geringsten Auffälligkeit abgeschoben werden zu können.

Das Bemühen, die Heimatfront terrorsicher zu machen, rückt jetzt diese Praxis in ein neues Licht. Die unkontrollierte Einwanderung gilt nun als Index sträflich vernachlässigter Sicherheit und viel zu offener Grenzen. Dieser Missstand muss aus der Welt – so weit sind sich alle Fraktionen der amerikanischen Politik einig.

Dabei ist nicht im entferntesten an eine Veränderung der Gründe gedacht, weshalb jährlich Tausende den Tod riskieren, um in einer kalifornischen Wäscherei arbeiten zu dürfen. Es spricht nämlich nicht gegen die vom US-Imperialismus in seinem “Hinterhof” geschaffenen Lebensumstände, sondern eben nur dafür, dass Amerika viel tun muss, um solchen Leuten den illegalen Grenzübertritt unmöglich zu machen. Dass Bush dann auch noch erklärt, die künftig undurchdringbare Grenze sei ein Beitrag zur Gesundheit der Flüchtlinge, die sich nun nicht mehr den Gefahren der illegalen Grenzüberschreitung aussetzen müssen, ist eine konsequente Meisterleistung dieses Zynismus.

Nicht einig sind sich die Politiker nur in der Frage, wie der staatliche Kontrollbedarf in Übereinstimmung zu bringen sei mit dem unübersehbaren Nutzen, den diese Sorte Menschheit – vom Tomatenpflücker bis hin zum billigen Kindermädchen der Besserverdienenden – für das Funktionieren des amerikanischen Gemeinwesens hat.

Was alles mit der Einwanderungsreform verändert wird, von den neuesten Sicherheitsansprüchen, über die Veränderung der Lebensbedingungen der Illegalen bis hin zu der US Leitkulturdebatte, soll Thema der Veranstaltung sein.

Vortrag und Diskussion mit Frank D. Winter (Redaktion Gegenstandpunkt)
Donnerstag, 7. September 2006, 20.00 Uhr
Bürgerwache am Siegfriedplatz, Bielefeld


1 Antwort auf “Aus- und Einbürgerung auf amerikanisch:”


  1. 1 E P 08. September 2006 um 16:05 Uhr

    Der Vortrag hat die verschiedenen Sichtweisen der beteiligten Akteure gut dargestellt.

    Ich denke der Redner war auch bei vielen seiner Thesen nah an der Realität, ohne in ein ideologisches Lager abzugleiten. Das Beleuchten der Sachverhalte aus der ökonomischen Perspektive kam mir sehr glaubwürdig vor, da es nunmal die Denkweise unserer Zeit ist.

    Hat mir auf jedenfall gut gefallen! :)

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